21. Oktober 2020

Ein paar Worte zum Reisen zu dritt...

(nf) Wir merken, dass es schon ein deutlicher Unterschied ist, ob man mit Kind unterwegs ist oder eben zu zweit. Das ist ja so weit nicht überraschend, wie das Leben allgemein mit Kind einfach ein anderes ist als ohne, ist natürlich auch das Reiseleben ein anderes. 

Aber in welchem Maße, das war uns davor nicht ganz klar. Oder es ist eben so, dass es ein Unterschied ist, ob man sich vorher etwas überlegt oder dann tatsächlich in der Situation ist.

Für uns konkret bedeutete das, das wir schon eine Weile gebraucht haben, bis wir uns hier eingeruckelt hatten. Das Wetter tat sein übriges, aber ich bin überzeugt davon, dass das nicht das Hauptthema war bzw. auch ist.

Bei unseren bisherigen (Camper)Urlauben zu zweit waren wir maximal flexibel. Wie es eben so ist, wenn man alles dabei hat. Im Zweifel konnten wir auch abends um 8 noch einen Stellplatz weiterfahren, wenn wir das wollten. Oder mal einen Tag nur irgendwelches Zeug auf die Hand essen, wenn es eben so war ( bzw. einfach nur morgens uns abends essen). Oder einfach mal mit einem Bier vor dem Camper sitzen. Oder tatsächlich ein Tagesprogramm haben. Oder spontan irgendwo anhalten: Aussichtspunkt, Markt, schöner Ort zum Kaffeetrinken. Das sind alles Dinge, die eben nicht einfach so gehen mit kleinem Kind dabei. 

In vielen Bereichen verliert man die Flexibilität mit dem kleinen Mann bzw. ist eben eingeschränkt. Und das trotz dem Flexibiltäts-Plus des eigenen Campers!

Dazu kommen die kleinen 'Katastrophen' des Baby-Alltags: hier eine gesprengte Windel, dort ein ausgekotztes Abendessen, dazwischen wissenschaftliche Untersuchungen von Scherben und Zigarettenstummel: da wünscht man sich zwischendurch schon die eigenen vier Wände, Platz, eine saubere Dusche und eine Waschmaschine...

Das Essen ist auch auf Reisen unser großes Thema. Zwar isst Yaron inzwischen grundsätzlich besser, aber auf so kleinem Raum jeden Tag etwas halbwegs gesundes, was er dann auch noch isst, auf den Tisch zu bringen, ist halt aufwändig. Zumal es auch entfällt, wie zu Hause Sachen auf Vorrat zu machen und dann einzufrieren. Da Yaron ja kein Breiesser ist, ist es noch schwieriger, auch gesunde Sachen in ihn zu bekommen. An Tagen, an denen wir viel unterwegs sind, kommt es oft vor, dass er den ganzen Tag fast nichts isst - zu aufregend ist alles drumherum.

Und bei allen Plänen und interessanten Dingen muss man sich immer fragen: wie klappt das mit ihm und mit seinem Tagesablauf? Wann kann er wo was essen? Wird er schlafen können? Sind es zuviel Eindrücke (speziell nach Palermo hatten wir das Gefühl)? Und am Ende auch: ist es den Aufwand wert, den es bedeutet?

Den Spagat, den man als Eltern auch zu Hause macht zwischen eigenen Bedürfnissen und dem Wunsch, den Bedürfnissen des Kindes zu 100% gerecht zu werden, dieser Spagat wird unterwegs nicht einfacher. Das überrascht mich doch, hat man doch unterwegs auch so viel 'Stressfaktoren' weniger als zu Hause und viel mehr Zeit, sich auf das Wesentliche zu fokussieren.

Eine weitere Sache, die wir unterschätzt haben, ist der Aufsichtsaufwand. Daheim kann Yaron bei vielen Sachen 'mitlaufen', man kann sich (inzwischen!) einen Kaffee rauslassen, sich im Bad fertig machen, Wäsche machen etc. auch wenn er dabei ist. Zwar mit mehr Aufwand, als wenn man alleine ist, aber es geht grundsätzlich. Hier ist es so, dass immer einer eigentlich zu 100% bei ihm sein muss. Ansonsten rennt er zu Nachbars Felgen und untersucht sie (Ölhände!!), er rennt wild über die Straße, spielt Wasserhahn-auf-Wasserhahn-zu, oder geht einfach mal wo anders hin. Das heißt auch, wenn einer Geschirr waschen geht, muss der andere Yaron beaufsichtigen, wenn der eine das Auto zum Weiterfahren fertig macht, geht der andere mit Yaron den restlichen Campingplatz erkunden. Am Ende geht also alles fast doppelt so lange. Das Pärchen, das wir mit ihrer 11monatigen Tochter kennengelernt hatten, haben dazu einen Laufstall/Reisebett dabei. Wenn Sie zusammenpacken, kommt die Kleine mit ein paar Spielsachen da rein und beide können mal schnell ein paar Handgriffe machen. Das hätten wir manchmal auch gerne!! Andererseits, wahrscheinlich würde Yaron Mordio schreien und wir könnten ihn eh nicht nutzen... 🙈

So, und wer jetzt denkt, wir jammern: stimmt schon. 😉

wir genießen das Reisen mit ihm auch sehr! Wir sind froh und dankbar, dass wir das so machen können! Immer wieder öffnet der kleine Blondie uns die Türen zu den Herzen der Italiener(innen meist). Er entschleunigt unser Reisen, reduziert uns oft auf das Wesentliche. Wir lieben es, wie er es liebt, mit uns auf dem Camperbett Zeit zu verbringen. 😍 und wie neugierig, aufgeschlossen und selbstverständlich er sich in jeder neuen Umgebung und gegenüber neuen Menschen bewegt. Wie er selbstbewusst und selbstständig auf Entdeckertour geht. 

Wir freuen uns, unterwegs sein zu können, auch in diesem anderen Lebensabschnitt. Es IST möglich, auch mit Kind zu reisen! Er macht unglaubliche Fortschritte in dieser Zeit und wir sind ganz nah dabei und können uns voll auf ihn bzw. uns als Familie konzentrieren. Und wir hoffen so natürlich auch, ihm Offenheit, Toleranz und guter Wille gegenüber dem Rest der Welt weitergeben zu können.


Will heißen: ja, es ist mehr Aufwand mit Kind unterwegs zu sein. Manche Dinge machen schlicht und ergreifend nicht mehr so viel Spaß bzw. gehen einfach nicht mehr gut.

Und dem gegenüber stehen 180.000 Sachen, die das Reisen auch mit Baby bzw. Kleinkind wertvoll und machenswert machen. Am Ende geht es ja beim Reisen auch darum, seine eigene Komfortzone zu verlassen. Das geht auch mit Kind. Oftmals sogar schneller. 😉

12. Oktober 2020

Sommer, Sonne, Sonnenschein,...

06.10. bis 10.10.2020 Siziliens Hochland und Ostküste

(ts) Einmal quer über die Insel an die Ostküste mit einem Zwischenstopp im Hochland irgendwo bei Enna war das erklärte Ziel für die nächsten Tage. Nach dem Verkehrsgewusel an der Küste wurde es dann im Hinterland recht schnell viel ruhiger. Einzig durch die ständigen, maroden Brücken, auf denen die Schnellstraße oft nur einspurig war und ein Tempolimit von 60, 40 oder sogar nur 30 herrschte, wurden wir ausgebremst. Auf den Nebenstraßen gab es sogar Schilder mit Tempo 20 und 10. Habt ihr schon einmal ein Tempo 10 Schild gesehen? Es wäre irgendwie sinnvoller realistische Tempolimits zu wählen und diese zu kontrollieren. Allerdings den Sizilianern schienen wohl Limits und Schilder sowieso egal zu sein... Das Hochland war viel fruchtbarer als ich gedacht hätte, es war echt eine tolle Landschaft. Wir schlugen unsere Zelte in der Nähe von Enna bei einem Agriturismo auf, das sehr schön angelegt war und sogar einen Pool hatte. Wir (bzw. Nicole hat beim Münze werfen verloren) mussten vor den verschlossenen Toren des Agriturismo Paparanza zuerst die Besitzer anrufen, die aus dem Ort zu uns kommen mussten. Wir waren die Einzigen Camper, nur ein Bungalow war belegt. Letztes Jahr war wohl um die gleiche Zeit alles voll mit Deutschen und Franzosen, auch hier hat Corona seine Spuren hinterlassen.

Es war jetzt übrigens der erste Platz mit einer ausgestatteten Küche für Camper. Auf Island und in Neuseeland gab es dies ständig. Da kann man dann doch etwas besser kochen als im Camper und der Gestank ist dann auch weiter weg... 😉 Den Mittag und Abend nutzten wir um den Berg von Wäsche zu machen und die nächsten Tage zu planen. Yaron spielte derweil auf der Spielwiese mit den Katzen.

Am nächsten Morgen staunten wir nicht schlecht, als wir aus dem Camper kamen und Ätna sahen. Die Landschaft sah mit dem Vulkan im Hintergrund noch besser aus.
Am Mittag machten wir einen Ausflug zur Villa Romana del Casale, eine römische Villa, die ca. 300 n. Chr. erbaut wurde und wunderschöne Bodenmosaike besaß. Krass, welchen Reichtum oder Macht man besitzen musste, um solch eine Villa bauen zu lassen. Die Bodenmosaike waren der Hammer, jedes Zimmer hatte dabei ein anderes Motto. Highlight waren natürlich die Bikini-Mädels...
Jetzt ging die Fahrt weiter an die Ostküste. Nachdem wir jetzt schon mehrere Hinweise zur Alcantara Schlucht bekommen hatten, wollten wir sie doch persönlich erkundigen. Bis zu 20 Meter tief hat sich der Fluss in das Ätna Lavagestein gefressen. Über die öffentliche Treppe kommt man für 1,50 Euro runter an den Strand und kann sein eigenes Canyoning machen. Schuhe aus und rein ins kalte Wasser... Yaron hatte definitiv den besten Platz beim Erkunden...
Wir haben beide den Abstecher zur Schlucht nicht bereut und waren echt beeindruckt. Nicole wäre dabei gerne noch weiter in die Schlucht vorgedrungen, ich bekam allerdings mit Yaron auf dem Rücken kalte Füße. Über unseren Reiseführer hatten wir dann auch einen kleinen, privaten Stellplatz direkt gegenüber gefunden. 10 Euro für die Nacht mit Strom war für italienische Verhältnisse richtig günstig. Der eine Liter Olivenöl für 8 Euro dann nimmer so. 🙈 Wir waren erneut die einzigen auf dem Stellplatz, was es vor allem nachts etwas unheimlich machte.
Ein Campingplatz in der Nähe von Taormina war die nächste Anlaufstelle. Auf dem Weg dorthin füllten wir in einem Lidl noch unsere Vorräte auf. Im Campeggio Almoetia angekommen, gab es endlich ein ausgiebiges Frühstück und dann ging es an den fußläufigen Strand zum Abkühlen.
Auf dem Campingplatz waren dann auch wieder sehr viele Camper, hauptsächlich Schweizer und Deutsche. Da wir nun schon einmal da waren, wollten wir natürlich auch die Stadt Taormina erkunden. Den nächsten Tag ging es also zuerst die 4km mit Toni zur nächsten Bushaltestelle und dann mit dem Bus die Serpentinen hoch in den Ort. Zum Glück hatten wir den Reiseführer, der uns vor der eigenen Anfahrt mit dem Camper warnte. Die Straße war richtig eng und Parkplätze für Camper hätte es auch keine gegeben. Da waren die 3 Euro für das Busticket (hin und zurück) gut investiert. Taormina soll eines der schönsten Städte der Insel sein und hat viele kleine verwinkelte Gassen und ein gut erhaltenes griechisch-römisches Theater, das im 2. Jahrhundert v. Chr. erbaut wurde. Das Theater kostete zwar 10 Euro Eintritt, aber der Blick über die Ränge mit der Küste und dem Ätna im Hintergrund war es allemal wert.
Yaron war die ganze Zeit bei mir in der Kraxe. Als wir ihn dann rausholten und gemütlich einen Café trinken wollten, sprudelte er nur so von Bewegungsdrang. Es war also besser den Café in Etappen zu trinken. Also einer trank Café und der andere rannte Yaron durch die Gassen hinterher, er wurde von Tag zu Tag schneller... 🙈
Zurück am Campingplatz hatten wir neue Nachbarn. Eine holländische Familie mit 2 Kindern (2 und 4) war auf einer Elternzeitreise mit Tesla und Wohnanhänger. Die Kinder spielten mit Yaron auf dem Teppich, Nicole kochte und ich redete mit den Holländern, die auch ständig On Tour sind und schon viel von der Welt gesehen haben. Mit dem Tesla und Anhänger kommen sie mit einer Batterieladung übrigens nur 150km. Ohne Anhänger zwischen 300 und 400km. Und Campingplätze suchen sie anhand des Ladestroms aus. Da muss man echt gut planen.

Abends wurden dann unsere Pläne für die kommenden Tage über den Haufen geworfen, als wir bemerkten, dass der nächste Campingplatz wegen Corona erst wieder 2021 öffnet. Wir wollten eigentlich nach Siracusa, die Stadt anschauen und Nicole dort tauchen. Wir waren über WhatsApp weiterhin noch mit Nicole, Matthias und Marla vom Gardasee in Kontakt, die uns ja auf die glorreiche Idee mit Sizilien brachten. Sie waren zur Zeit auf einem Agricampeggio 40min südlich von Siracusa bei Pachino. Und so beschlossen wir die drei zu besuchen. Sie standen kurz vor der Rückreise, da sie zu Marlas ersten Geburtstag wieder in Berlin sein wollten. Mit Vorfreude auf das Wiedersehen ging es also in die Nacht! 😃

7. Oktober 2020

... Sizilien

01.10. bis 05.10.2020 Toskana mit Livorno und Sizilien mit Palermo

(nf) So, ich nutze die Zeit der Fährüberfahrt, immerhin 19h, bzw. Yarons Mittagsschlaf zum Schreiben.

Was soll man auch sonst tun, in der stickigen Kabine eingepfercht?! Tobias sitzt derweil an Deck und versucht, nicht seekrank zu werden - ruhiger See wäre schon angenehm...


Vom Gardasee Richtung Livorno zur Fähre hatten wir 3 Tage und 2 Nächte Zeit. In einem Rutsch durchzufahren war uns zu lang (ja, wir haben tatsächlich gelernt aus den vorherigen Erfahrungen und halten uns auch wirklich dran!) und so haben wir es in zwei 2h-Etappen aufgeteilt.

Die Nacht dazwischen haben wir auf einem Stellplatz zwischen Bologna und Florenz verbracht. Schön gelegen bei einem Hotel/Kongresszentrum mit Restaurant, inklusive Wasser, Strom, Entsorgung und Toiletten während den Öffnungszeiten. Für 15€, nicht schlecht! Es gab auch einen großen Park mit Spielplatz, sehr schön für Yaron. Nur war irgendwie alles ziemlich heruntergekommen, es wirkte halb verlassen, obwohl da Betrieb war in dem Restaurant... irgendwie seltsam und auch ein bisschen gespenstisch. Wir waren früh da, waren dann die Ersten und Tobias hat sich direkt noch mehr Camper gewünscht... die kamen dann noch, aber eben, wie wahrscheinlich meistens auf den Stellplätzen, erst gegen Abend. Bei uns gab es mit Haferplinsen mal wieder was anderen als Nudeln mit Pesto 😉. Hätten wir uns früher informiert, man konnte mit dem Zug wohl gut nach Bologna fahren - ich hätte mir die Eis-Uni schon gerne mal angeschaut!! So haben wir etwas die Zeit (und Heerscharen von Tigermücken) totgeschlagen um dann am nächsten Morgen nach einem kleinen Frühstück und zwei hervorragenden Cappuccini auf die Hand die Fahrt fortzusetzen.


Wir hatten uns für die zweite Nacht einen Campingplatz südlich von Livorno, direkt am Meer rausgesucht und wollten auf dem Weg dorthin noch einen Abstecher in das Naturschutzgebiet der Pineta machen, einen Pinienwaldgürtel direkt hinter den Dünen.

Das war schön, allerdings jetzt auch nicht viel mehr. Wir sind ein bisschen spazieren gegangen, haben ein Vesper gemacht und sind dann zum Campingplatz Rada Etrusca. Eine schöne Anlage, aber etwas heruntergekommen.

Für uns und eine Nacht war's gut, zumal die Pizza im angeschlossenen Restaurant sehr gut war, der Platz mit 22€ sehr günstig und wir am Folgetag bis zu unserer Abfahrt um 18h auf dem Stellplatz bleiben konnten, so dass wir in Ruhe alles für die Fähre richten konnten. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, die Fähre einen Tag früher zu nehmen. Es hätte gut geklappt mit dem Fahren und vor allem war das Wetter noch besser. Den letzten Tag am Platz konnten wir nicht recht nutzen, zu stürmisch war es in der Zwischenzeit, Strand ging gar nicht, da wurde man sandgestrahlt, und auch sonst war nicht viel möglich. Dadurch war Yaron gelangweilt und anstrengend und unsere Anspannung vor der Fährüberfahrt hat sicherlich ihr Übriges getan... so waren wir abwechselnd mit ihm spazieren, auf dem Spielplatz oder Essen. :-)

Abends ging es dann, nochmal nach Pizza 😬, zeitig zum Hafen nach Livorno. Die Verkehrsführung ist echt... speziell... Nunja... dort hieß es dann in der Schlange nochmal warten, warten, warten bzw. Staunen: verrückt, was da bei der Einschiffung passiert... da Parken LKWs mit Anhänger rückwärts auf der Fähre ein, wo wir froh sind, wenn wir mit unserem Camper vorwärts heil reinkommen... 😅 Tobias hat das übernommen, ich war froh drum! Derweil haben wir Yaron beim Warten im Camper schlafen gelegt und er schlief auch schön weiter, bis wir eingeparkt hatten! Ganz klarer Vorteil Camper!!!

Bis wir dann endlich in unsrer Kabine waren, war es halb 1 und er natürlich doch wach und völlig erstaunt.

Diese Aufregung, der Lärm auf dem Gang und der krasse Wellengang haben dazu geführt, dass es ein ganz schön zäher Kampf war, ihn wieder zum Schlafen zu bringen... ich war froh, dass es irgendwie ging und er dann sogar eine Schlafphasen mit so 3,5h hatte, da konnte ich wenigstens auch ein bisschen zur Ruhe kommen... zu zweit auf einem 90cm-Bett in einer stickigen Kabine, naja, wer schonmal Fähre fuhr, weiß, wie die sind - es gibt schöneres! Auf der anderen Seite haben wir schon in schlechteren Betten bzw. Unterkünften geschlafen und immerhin haben wir unser kleines Reich und Rückzugsort - die restliche Zeit der Überfahrt wird hoffentlich auch gut rumgehen und dann werden wir mit Sonne, Meer (also das zum Baden!!!😊) und dem Ätna belohnt! 😃

Inzwischen sind wir schon wieder einige Nächte auf Sizilien. Die restliche Überfahrt hat noch gut geklappt, die letzten 2h waren etwas zäh, gingen dann aber auch irgendwie vorbei... 

Dann ging es wieder runter vom Schiff und raus aus Palermo. Tobias ist wieder gefahren und ich habe hinten versucht, Yaron einigermaßen bei Laune zu halten - Tobias hat vorne im sizilianischen Verkehr geschwitzt... als wir endlich auf unserem Campingplatz waren (und immerhin nur einmal einen Spiegel gestreift hatten 😬), war schon fast 9, wir haben Yaron noch schnell was zu Essen gemacht und ihn dann hingelegt. Bei noch fast 25Grad sind wir dann nach einer schnellen Dusche noch vor dem Camper gesessen und haben uns gefreut, nicht zu frieren... 😄

Am nächsten Morgen bei Tageslicht dann Begeisterung pur:

Frühstück bei bestem Wetter mit Meerblick, grandios! Diesen ersten Tag haben wir ansonsten ganz ruhig verbracht, nachmittags sind wir noch runter zum Meer, aber da die Sonne schon hinterm Berg verschwunden war, sind wir nicht ins Wasser.

Für den nächsten Tag stand unser erstes großes Sizilien-Abenteuer auf dem Plan: mit dem Zug nach Palermo! Das bedeutete erst eine halbe Stunde zum Bahnhof laufen (wir haben das Angebot ausgeschlagen, uns von den Platzbesitzern fahren zu lassen: davon abgesehen, dass das den hier geltenden Corona-Richtlinien nicht entsprochen hätte, wäre Yaron -auf Rückfrage-  "in your arms!" gesessen. Das war uns dann doch zu heikel) und dann 20min Zugfahrt. 

Palermo hat uns sehr gut gefallen! Maroder Charme, etwas verfallen, aber eine tolle Altstadt! Ein bisschen wie Porto. 

Mit Yaron ist es schon so, dass vieles oberflächlich bleibt - ich wäre gern in die Anti-Mafia-Ausstellung oder auch nochmal mit dem Bus auf den Berg zu einer tollen Kirche gefahren, aber am Ende haben wir es gelassen und sind einfach ein bisschen durch die Altstadt spaziert. Haben ein leckeres Eis und einen guten Kaffee gehabt, eine sizilianische Köstlichkeit probiert

(frittierter Teig ähnlich wie Scherben, als halboffene Rolle geformt und dann mit süßem Quark gefüllt) und in einer Rösterei Kaffeebohnen mitgenommen. 

Schön war es trotz dass wir auch vieles nicht gesehen haben, Yaron hat super mitgemacht und war natürlich mit den ganzen Eindrücken sehr aufgeregt. Um 4 ging unser Zug zurück und nach einem schnellen Abendessen ging es für Yaron früh ins Bett. Am nächsten Tag stand die Weiterreise an und wir haben den Abend damit verbracht, zu entscheiden, wie es die nächsten Tage weitergehen soll. Über das Zentrum Richtung Ostküste mit mindestens einer Zwischenübernachtung, um die Etappen kurz zu halten, war dann unser Plan.

Den Campingplatz haben wir auch ein bisschen ungern verlassen: das Besitzerpaar war extrem freundlich und hilfsbereit und wir haben uns sehr wohlgefühlt. Wir hatten uns eigentlich noch einen (deutschen) Sizilien-Camping-Reiseführer gekauft und hierher schicken lassen, der war auch noch nicht da. Aber da es ein Fehler in der Adresse gab, konnten wir uns auch nicht sicher sein, dass er am Tag darauf kommt. Deshalb haben wir uns trotzdem fürs Weiterfahren entschieden, so muss die weitere Planung eben auch über den etwas mühsameren Weg Handy bzw. Tablet geschehen. Wir sind schon deutlich lieber analog mit einem Buch in der Hand unterwegs! 

Die Kommunikation auf dem Platz mit dem Pärchen war übrigens gar nicht so einfach... sie sprachen kaum Englisch und wir ja eigentlich gar kein Italienisch... Durch Spanisch und Französisch habe ich oft den Sinn verstanden, aber wenn ich was sagen wollte war halt Schluss... machte aber nix, wenn alle verfügbaren Sprachen und Hände und Füße nicht mehr ausgereicht haben, sprang der Google Translater ein - schon verrückt, wie das Reisen durch Internet und Smartphones verändert und eben teilweise auch vereinfacht wurde!!!

2. Oktober 2020

Auf der Suche nach Sonne...

22.09. bis 30.09.2020 Vinschgau und Gardasee

(ts) Ausgeruht ging es nun über den Pass nach Italien. Die kleine Umleitung über die Schweiz war problemlos zu fahren. Im Vinschgau angekommen wollte ich direkt am Reschensee einen Fotostopp einlegen. Nicole hat der Kirchturm, der aus dem Wasser ragt, nicht so beeindruckt - mich schon. 😉

Der Campingplatz Badlerhof in Laas war wieder ein echter Glücksgriff, eher klein und familiär geführt und erneut sehr nette und hilfsbereite Besitzer. Direkt neben unserem Stellplatz war dann auch ein kleiner Spielplatz und dann gab es auch noch ein sehr gutes Campingplatz Café... Der Kaffee war hervorragend! 😋

So haben wir den Tag mit Spielplatz, Café und einkaufen im Ort vertrödelt. Die Metzgerei im Ort hatte auch Wienerle, damit konnte man Yaron immer für zumindest 10 Minuten ruhigstellen, wenn man mal eine Pause benötigte. 😃 Was ich beim Campingplatz noch vergessen hatte, war der Aufenthaltsraum. Da es abends mal wieder zu regnen begann, konnten wir im Camper kochen und dort in Ruhe essen. Und es gab ein extra Bad mit Wickeltisch, kleinen Toiletten und Waschbecken und einer Dusche, wo die Kleinsten problemlos versorgt werden konnten! Prima!

Am nächsten Morgen kam bei mir schon etwas der Wetterfrust durch. Es war sehr unbeständig und kühl... Und schlechtes Wetter mit kleinem Kind ist doppelt so anstrengend... 😕 Obwohl der Campingplatz super war und wir gerne noch länger geblieben wären, wollten wir zumindest vor dem Temperatursturz am Freitag die Alpen verlassen und Richtung Gardasee flüchten. Also blieben uns noch zwei Tage, um das Vinschgau zu erkunden. Am ersten Tag war das Wetter noch besser und wir machten eine Radtour an der Etsch entlang talabwärts - Nicole war begeistert von den Radwegen und überall war Apfelernte. Nach 1,5 Stunden waren wir in Latsch. Nicole und Yaron fuhren mit dem Zug zurück und ich mit dem Bike. Und oben gab es dann zur Belohnung einen Kuchen im Café neben der Metzgerei. Nachdem Yaron nicht mitspielte, kam er so zu seinem Wienerle... 😉

Am zweiten Tag besichtigten wir Meran. Einmal mit dem Zug runter und wieder hoch. Eine Stunde dauerte die einfache Fahrt, daher musste auf der Rückfahrt auch wieder ein Wienerle helfen. Yaron ernährt sich nicht nur von Wienerle, er bekommt maximal eins pro Tag und das auch nicht täglich. 😜

Nun ging also bei Regen die Fahrt weiter zum Gardasee. Leider war die Bergkulisse während der kompletten Zeit in den Alpen mit Wolken verhangen. Immerhin schafften wir die Abreise vor dem Schnee, auch wenn es teilweise bei der Fahrt richtig heftig regnete und stürmte.

Am Gardasee kam dann noch einmal ein richtig kräftiger Sturm mit Wolkenbruch auf, so dass wir an einem Uferparkplatz kurz stoppten. Doch dann machte es auf und sogar die Sonne kam durch. Unser Agricampeggio war 200 Höhenmeter über dem See und nur durch enge Gassen zu erreichen. Wir mussten ganz schön schwitzen, bis Toni auf dem Stellplatz geparkt war. Größere Camper können den Stellplatz nicht anfahren, es gab auch einige negative Rezensionen wegen der Anfahrt. Die Aussicht über den See und auf die Berge war der Hammer. Und der Sonnenuntergang der mega Hammer... ☀️

Eine kleine Wanderung war das Highlight des nächsten Tages.

Doch nun wollten wir doch etwas näher an den See ran und sind daher nach 2 Nächten vom Norden in den Süden des Sees gefahren. Ein paar Kilometer südlich von Bardolino kamen wir im Agricampeggio Al Bor unter.

Campen mit Yaron bei der aktuellen Wetterlage hat vor allem mich immer mehr gefrustet. Morgens und abends war es immer sehr kalt und teilweise dazu auch noch nass. Immerhin sollte es jetzt am Gardasee noch ein paar Tage schönes Wetter geben. Zwei Stellplätze weiter war mit Matthias, Nicole und Marla eine Berliner Familie auf Elternzeitreise, die mit den gleichen Wetterproblemen kämpfte. Der Austausch mit Ihnen half vor allem mir mit der Situation klar zu kommen. Und dann hatten Matthias und Nicole auch noch so eine Idee, die nach kurzer Überlegung auch uns überzeugte: Sizilien! Für uns kam immer nur Korsika, Sardienien und Elba in Frage, aber warum eigentlich nicht Sizilien?! Sommerliche Temperaturen gibt es im Oktober nur noch dort. Und es gibt tatsächlich eine Fähre von Livorno nach Palermo. Auf die Idee sind wir nicht gekommen. Danke Nicole und Matthias!!! Die 3 Tage beim Agricampeggio Al Bor waren sehr schön: das Wetter zeigte sich endlich von seiner besseren Seite und mit unseren neuen Freunden konnten wir uns öfters treffen und austauschen. Einen Abend haben wir uns echt etwas verquatscht und saßen bis spät vor ihrem Camper. Tagsüber verstanden sich übrigens Marla (11 Monate) und Yaron prächtig. Yaron lief jetzt übrigens immer mehr, man musste im ständig hinterherrennen. 😃


Nun ist die Fähre gebucht und wir haben noch 2 Tage für die Fahrt vom Gardasee nach Livorno übrig...