7. Oktober 2020

... Sizilien

01.10. bis 05.10.2020 Toskana mit Livorno und Sizilien mit Palermo

(nf) So, ich nutze die Zeit der Fährüberfahrt, immerhin 19h, bzw. Yarons Mittagsschlaf zum Schreiben.

Was soll man auch sonst tun, in der stickigen Kabine eingepfercht?! Tobias sitzt derweil an Deck und versucht, nicht seekrank zu werden - ruhiger See wäre schon angenehm...


Vom Gardasee Richtung Livorno zur Fähre hatten wir 3 Tage und 2 Nächte Zeit. In einem Rutsch durchzufahren war uns zu lang (ja, wir haben tatsächlich gelernt aus den vorherigen Erfahrungen und halten uns auch wirklich dran!) und so haben wir es in zwei 2h-Etappen aufgeteilt.

Die Nacht dazwischen haben wir auf einem Stellplatz zwischen Bologna und Florenz verbracht. Schön gelegen bei einem Hotel/Kongresszentrum mit Restaurant, inklusive Wasser, Strom, Entsorgung und Toiletten während den Öffnungszeiten. Für 15€, nicht schlecht! Es gab auch einen großen Park mit Spielplatz, sehr schön für Yaron. Nur war irgendwie alles ziemlich heruntergekommen, es wirkte halb verlassen, obwohl da Betrieb war in dem Restaurant... irgendwie seltsam und auch ein bisschen gespenstisch. Wir waren früh da, waren dann die Ersten und Tobias hat sich direkt noch mehr Camper gewünscht... die kamen dann noch, aber eben, wie wahrscheinlich meistens auf den Stellplätzen, erst gegen Abend. Bei uns gab es mit Haferplinsen mal wieder was anderen als Nudeln mit Pesto 😉. Hätten wir uns früher informiert, man konnte mit dem Zug wohl gut nach Bologna fahren - ich hätte mir die Eis-Uni schon gerne mal angeschaut!! So haben wir etwas die Zeit (und Heerscharen von Tigermücken) totgeschlagen um dann am nächsten Morgen nach einem kleinen Frühstück und zwei hervorragenden Cappuccini auf die Hand die Fahrt fortzusetzen.


Wir hatten uns für die zweite Nacht einen Campingplatz südlich von Livorno, direkt am Meer rausgesucht und wollten auf dem Weg dorthin noch einen Abstecher in das Naturschutzgebiet der Pineta machen, einen Pinienwaldgürtel direkt hinter den Dünen.

Das war schön, allerdings jetzt auch nicht viel mehr. Wir sind ein bisschen spazieren gegangen, haben ein Vesper gemacht und sind dann zum Campingplatz Rada Etrusca. Eine schöne Anlage, aber etwas heruntergekommen.

Für uns und eine Nacht war's gut, zumal die Pizza im angeschlossenen Restaurant sehr gut war, der Platz mit 22€ sehr günstig und wir am Folgetag bis zu unserer Abfahrt um 18h auf dem Stellplatz bleiben konnten, so dass wir in Ruhe alles für die Fähre richten konnten. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, die Fähre einen Tag früher zu nehmen. Es hätte gut geklappt mit dem Fahren und vor allem war das Wetter noch besser. Den letzten Tag am Platz konnten wir nicht recht nutzen, zu stürmisch war es in der Zwischenzeit, Strand ging gar nicht, da wurde man sandgestrahlt, und auch sonst war nicht viel möglich. Dadurch war Yaron gelangweilt und anstrengend und unsere Anspannung vor der Fährüberfahrt hat sicherlich ihr Übriges getan... so waren wir abwechselnd mit ihm spazieren, auf dem Spielplatz oder Essen. :-)

Abends ging es dann, nochmal nach Pizza 😬, zeitig zum Hafen nach Livorno. Die Verkehrsführung ist echt... speziell... Nunja... dort hieß es dann in der Schlange nochmal warten, warten, warten bzw. Staunen: verrückt, was da bei der Einschiffung passiert... da Parken LKWs mit Anhänger rückwärts auf der Fähre ein, wo wir froh sind, wenn wir mit unserem Camper vorwärts heil reinkommen... 😅 Tobias hat das übernommen, ich war froh drum! Derweil haben wir Yaron beim Warten im Camper schlafen gelegt und er schlief auch schön weiter, bis wir eingeparkt hatten! Ganz klarer Vorteil Camper!!!

Bis wir dann endlich in unsrer Kabine waren, war es halb 1 und er natürlich doch wach und völlig erstaunt.

Diese Aufregung, der Lärm auf dem Gang und der krasse Wellengang haben dazu geführt, dass es ein ganz schön zäher Kampf war, ihn wieder zum Schlafen zu bringen... ich war froh, dass es irgendwie ging und er dann sogar eine Schlafphasen mit so 3,5h hatte, da konnte ich wenigstens auch ein bisschen zur Ruhe kommen... zu zweit auf einem 90cm-Bett in einer stickigen Kabine, naja, wer schonmal Fähre fuhr, weiß, wie die sind - es gibt schöneres! Auf der anderen Seite haben wir schon in schlechteren Betten bzw. Unterkünften geschlafen und immerhin haben wir unser kleines Reich und Rückzugsort - die restliche Zeit der Überfahrt wird hoffentlich auch gut rumgehen und dann werden wir mit Sonne, Meer (also das zum Baden!!!😊) und dem Ätna belohnt! 😃

Inzwischen sind wir schon wieder einige Nächte auf Sizilien. Die restliche Überfahrt hat noch gut geklappt, die letzten 2h waren etwas zäh, gingen dann aber auch irgendwie vorbei... 

Dann ging es wieder runter vom Schiff und raus aus Palermo. Tobias ist wieder gefahren und ich habe hinten versucht, Yaron einigermaßen bei Laune zu halten - Tobias hat vorne im sizilianischen Verkehr geschwitzt... als wir endlich auf unserem Campingplatz waren (und immerhin nur einmal einen Spiegel gestreift hatten 😬), war schon fast 9, wir haben Yaron noch schnell was zu Essen gemacht und ihn dann hingelegt. Bei noch fast 25Grad sind wir dann nach einer schnellen Dusche noch vor dem Camper gesessen und haben uns gefreut, nicht zu frieren... 😄

Am nächsten Morgen bei Tageslicht dann Begeisterung pur:

Frühstück bei bestem Wetter mit Meerblick, grandios! Diesen ersten Tag haben wir ansonsten ganz ruhig verbracht, nachmittags sind wir noch runter zum Meer, aber da die Sonne schon hinterm Berg verschwunden war, sind wir nicht ins Wasser.

Für den nächsten Tag stand unser erstes großes Sizilien-Abenteuer auf dem Plan: mit dem Zug nach Palermo! Das bedeutete erst eine halbe Stunde zum Bahnhof laufen (wir haben das Angebot ausgeschlagen, uns von den Platzbesitzern fahren zu lassen: davon abgesehen, dass das den hier geltenden Corona-Richtlinien nicht entsprochen hätte, wäre Yaron -auf Rückfrage-  "in your arms!" gesessen. Das war uns dann doch zu heikel) und dann 20min Zugfahrt. 

Palermo hat uns sehr gut gefallen! Maroder Charme, etwas verfallen, aber eine tolle Altstadt! Ein bisschen wie Porto. 

Mit Yaron ist es schon so, dass vieles oberflächlich bleibt - ich wäre gern in die Anti-Mafia-Ausstellung oder auch nochmal mit dem Bus auf den Berg zu einer tollen Kirche gefahren, aber am Ende haben wir es gelassen und sind einfach ein bisschen durch die Altstadt spaziert. Haben ein leckeres Eis und einen guten Kaffee gehabt, eine sizilianische Köstlichkeit probiert

(frittierter Teig ähnlich wie Scherben, als halboffene Rolle geformt und dann mit süßem Quark gefüllt) und in einer Rösterei Kaffeebohnen mitgenommen. 

Schön war es trotz dass wir auch vieles nicht gesehen haben, Yaron hat super mitgemacht und war natürlich mit den ganzen Eindrücken sehr aufgeregt. Um 4 ging unser Zug zurück und nach einem schnellen Abendessen ging es für Yaron früh ins Bett. Am nächsten Tag stand die Weiterreise an und wir haben den Abend damit verbracht, zu entscheiden, wie es die nächsten Tage weitergehen soll. Über das Zentrum Richtung Ostküste mit mindestens einer Zwischenübernachtung, um die Etappen kurz zu halten, war dann unser Plan.

Den Campingplatz haben wir auch ein bisschen ungern verlassen: das Besitzerpaar war extrem freundlich und hilfsbereit und wir haben uns sehr wohlgefühlt. Wir hatten uns eigentlich noch einen (deutschen) Sizilien-Camping-Reiseführer gekauft und hierher schicken lassen, der war auch noch nicht da. Aber da es ein Fehler in der Adresse gab, konnten wir uns auch nicht sicher sein, dass er am Tag darauf kommt. Deshalb haben wir uns trotzdem fürs Weiterfahren entschieden, so muss die weitere Planung eben auch über den etwas mühsameren Weg Handy bzw. Tablet geschehen. Wir sind schon deutlich lieber analog mit einem Buch in der Hand unterwegs! 

Die Kommunikation auf dem Platz mit dem Pärchen war übrigens gar nicht so einfach... sie sprachen kaum Englisch und wir ja eigentlich gar kein Italienisch... Durch Spanisch und Französisch habe ich oft den Sinn verstanden, aber wenn ich was sagen wollte war halt Schluss... machte aber nix, wenn alle verfügbaren Sprachen und Hände und Füße nicht mehr ausgereicht haben, sprang der Google Translater ein - schon verrückt, wie das Reisen durch Internet und Smartphones verändert und eben teilweise auch vereinfacht wurde!!!

2. Oktober 2020

Auf der Suche nach Sonne...

22.09. bis 30.09.2020 Vinschgau und Gardasee

(ts) Ausgeruht ging es nun über den Pass nach Italien. Die kleine Umleitung über die Schweiz war problemlos zu fahren. Im Vinschgau angekommen wollte ich direkt am Reschensee einen Fotostopp einlegen. Nicole hat der Kirchturm, der aus dem Wasser ragt, nicht so beeindruckt - mich schon. 😉

Der Campingplatz Badlerhof in Laas war wieder ein echter Glücksgriff, eher klein und familiär geführt und erneut sehr nette und hilfsbereite Besitzer. Direkt neben unserem Stellplatz war dann auch ein kleiner Spielplatz und dann gab es auch noch ein sehr gutes Campingplatz Café... Der Kaffee war hervorragend! 😋

So haben wir den Tag mit Spielplatz, Café und einkaufen im Ort vertrödelt. Die Metzgerei im Ort hatte auch Wienerle, damit konnte man Yaron immer für zumindest 10 Minuten ruhigstellen, wenn man mal eine Pause benötigte. 😃 Was ich beim Campingplatz noch vergessen hatte, war der Aufenthaltsraum. Da es abends mal wieder zu regnen begann, konnten wir im Camper kochen und dort in Ruhe essen. Und es gab ein extra Bad mit Wickeltisch, kleinen Toiletten und Waschbecken und einer Dusche, wo die Kleinsten problemlos versorgt werden konnten! Prima!

Am nächsten Morgen kam bei mir schon etwas der Wetterfrust durch. Es war sehr unbeständig und kühl... Und schlechtes Wetter mit kleinem Kind ist doppelt so anstrengend... 😕 Obwohl der Campingplatz super war und wir gerne noch länger geblieben wären, wollten wir zumindest vor dem Temperatursturz am Freitag die Alpen verlassen und Richtung Gardasee flüchten. Also blieben uns noch zwei Tage, um das Vinschgau zu erkunden. Am ersten Tag war das Wetter noch besser und wir machten eine Radtour an der Etsch entlang talabwärts - Nicole war begeistert von den Radwegen und überall war Apfelernte. Nach 1,5 Stunden waren wir in Latsch. Nicole und Yaron fuhren mit dem Zug zurück und ich mit dem Bike. Und oben gab es dann zur Belohnung einen Kuchen im Café neben der Metzgerei. Nachdem Yaron nicht mitspielte, kam er so zu seinem Wienerle... 😉

Am zweiten Tag besichtigten wir Meran. Einmal mit dem Zug runter und wieder hoch. Eine Stunde dauerte die einfache Fahrt, daher musste auf der Rückfahrt auch wieder ein Wienerle helfen. Yaron ernährt sich nicht nur von Wienerle, er bekommt maximal eins pro Tag und das auch nicht täglich. 😜

Nun ging also bei Regen die Fahrt weiter zum Gardasee. Leider war die Bergkulisse während der kompletten Zeit in den Alpen mit Wolken verhangen. Immerhin schafften wir die Abreise vor dem Schnee, auch wenn es teilweise bei der Fahrt richtig heftig regnete und stürmte.

Am Gardasee kam dann noch einmal ein richtig kräftiger Sturm mit Wolkenbruch auf, so dass wir an einem Uferparkplatz kurz stoppten. Doch dann machte es auf und sogar die Sonne kam durch. Unser Agricampeggio war 200 Höhenmeter über dem See und nur durch enge Gassen zu erreichen. Wir mussten ganz schön schwitzen, bis Toni auf dem Stellplatz geparkt war. Größere Camper können den Stellplatz nicht anfahren, es gab auch einige negative Rezensionen wegen der Anfahrt. Die Aussicht über den See und auf die Berge war der Hammer. Und der Sonnenuntergang der mega Hammer... ☀️

Eine kleine Wanderung war das Highlight des nächsten Tages.

Doch nun wollten wir doch etwas näher an den See ran und sind daher nach 2 Nächten vom Norden in den Süden des Sees gefahren. Ein paar Kilometer südlich von Bardolino kamen wir im Agricampeggio Al Bor unter.

Campen mit Yaron bei der aktuellen Wetterlage hat vor allem mich immer mehr gefrustet. Morgens und abends war es immer sehr kalt und teilweise dazu auch noch nass. Immerhin sollte es jetzt am Gardasee noch ein paar Tage schönes Wetter geben. Zwei Stellplätze weiter war mit Matthias, Nicole und Marla eine Berliner Familie auf Elternzeitreise, die mit den gleichen Wetterproblemen kämpfte. Der Austausch mit Ihnen half vor allem mir mit der Situation klar zu kommen. Und dann hatten Matthias und Nicole auch noch so eine Idee, die nach kurzer Überlegung auch uns überzeugte: Sizilien! Für uns kam immer nur Korsika, Sardienien und Elba in Frage, aber warum eigentlich nicht Sizilien?! Sommerliche Temperaturen gibt es im Oktober nur noch dort. Und es gibt tatsächlich eine Fähre von Livorno nach Palermo. Auf die Idee sind wir nicht gekommen. Danke Nicole und Matthias!!! Die 3 Tage beim Agricampeggio Al Bor waren sehr schön: das Wetter zeigte sich endlich von seiner besseren Seite und mit unseren neuen Freunden konnten wir uns öfters treffen und austauschen. Einen Abend haben wir uns echt etwas verquatscht und saßen bis spät vor ihrem Camper. Tagsüber verstanden sich übrigens Marla (11 Monate) und Yaron prächtig. Yaron lief jetzt übrigens immer mehr, man musste im ständig hinterherrennen. 😃


Nun ist die Fähre gebucht und wir haben noch 2 Tage für die Fahrt vom Gardasee nach Livorno übrig... 

26. September 2020

Start in die große Elternzeitreise

17.09. bis 21.09.2020: Alte Heimat, Bodensee und Oberinntal

(nf) Nun ging sie also los, unsere Elternzeitreise. Corona-bedingt ganz anders, als wir ursprünglich geplant hatten, viel später und etwas kürzer. Aber dafür im eigenen Camper!! 😃

Die 'Proberunde' durch Deutschland hatten wir gut absolviert, letzte Anpassungen bei der Ausstattung haben wir in einer Woche Heimaturlaub installiert. Ein paar Temine hinter uns gebracht und dann, endlich, haben wir uns auf den Weg gemacht! 

Die -vorläufige- Route haben wir dann tatsächlich erst zwei Tage vor der Abreise festgelegt: Corona-Entwicklungen haben alle unsere vorherigen Überlegungen zunichte gemacht. Unser Plan war jetzt, über Bodensee und Alpen, Vinschgau bzw. Südtirol, vorbei am Gardasee in ca. 2,5-3 Wochen die Toskana zu erreichen. Dort wollten wir dann sehen, was die aktuelle Situation und die Einreisebestimmungen auf den Inseln Elba, Sardinien, Korsika sagen und von dort dann das weitere planen. Es fühlte sich gut an, endlich einen handfesten Plan zu haben und gleichzeitig waren wir natürlich aufgeregt. 6 Wochen unterwegs auf knappem Raum, diesmal zu dritt und kaum Möglichkeit, sich aus dem Weg zu gehen - würde das gut gehen? Was, wenn Yaron nicht mitspielt? Wenn unsere Erwartungen an der Realität scheitern? Wenn wir es nicht schaffen, uns von allem locker zu machen und einfach zu 'sein'? Reisen mit kleinem Kind ist definitiv etwas anderes... Und wir waren auch positiv-aufgeregt: 6 Wochen nur für uns, ohne Störfeuer von außen, ohne den ganzen Kram, der einen zu Hause anspringt, ohne die vielen kleinen Dinge, die einen Nerven kosten, auf das wesentliche reduziert, ohne etwas zu müssen, nur mit uns und Zeit füreinander!


Zuerst ging es nun in die alte Heimat, wir wollten unsere Eltern nochmal besuchen, bevor es los ging und auch Yaron sollte nochmal Zeit mit den Großeltern verbringen können - so viel passiert in 6 Wochen, da wollten wir für einen guten Vorher-Nachher-Effekt sorgen. 😉

Ein Fazit der Proberunde war ja, dass wir keine längeren Etappen als ca 2,5h planen. Alles länger ist mit Yaron eine echte Qual... So stand als nächstes Ziel der Bodensee an - und wenn wir schonmal da waren, haben wir natürlich auch einen Besuch bei meiner Schwester eingeplant. Da Wochenende war, gestaltete sich die Suche nach einem Stellplatz schwerer als gedacht. Eigentlich wollten wir wieder auf einem Hof von Landvergnügen stehen, aber einer nach dem anderen sagte uns, dass sie keinen Platz mehr hatten. Eigentlich gibt es die Regel, dass man erst 24h vor Anreise anrufen und reservieren (falls überhaupt) darf - ganz offensichtlich hat sich da keiner außer uns daran gehalten. Tja, was dazugelernt... Gestanden sind wir dann sehr schön auf (bzw. mitten in ) einer Apfelplantage auf einem privaten Stellplatz beim Hundsweilerhof.
Sehr nette Leute auch! Samstag Abend wollte meine Schwester uns besuchen, Sonntag wollten wir dann früh alle gemeinsam noch einen Kaffee schnappen und wir uns dann mit Yarons Schläfchen auf den Weg nach Österreich machen. Leider wurde Yarons Schnupfen nicht besser und am Samstag kam dann auch noch Husten dazu - am Ende so heftig, dass er das komplette Abendessen kurz nach dem Einschlafen wieder ausgespuckt hat... :-( Armer Wurm, aber auch für uns unschön. 21h, weinendes Kind auf dem sonst komplett ruhigen Stellplatz (sorry, liebe Campnachbarn!) und einmal Bett abziehen, Kind komplett umziehen, sich selbst komplett umziehen. (Für uns) Glück im Unglück: Miriam war noch da und hat sich als Wäscheservice engagiert. Das muss ein Bild gewesen sein, als sie nachts mit einem Klappstuhl in der einen Hand und einem Betttuch mit ziemlich viel Wäsche dran über der andern Schulter vom Platz gegangen ist... 😂 Danke Miriam, dass wir dann mit frischen Sachen weiterfahren konnten!! Nach der Aufregung entschieden wir uns, noch eine weitere Nacht dort zu bleiben und auch noch abzuwarten, wie es Yaron am Folgetag ging. Aus dem gemeinsamen Kaffee wurde ein Erkältungs-konformer Spielplatzbesuch und den Rest des Tages haben wir gemütlich mit Radtour an den See und leckeren Fish'n Chips dort in einem Park verbracht. Yaron war nichts anzumerken, außer dem derzeit üblichen Genöhle war er gut gelaunt und entdeckungslustig. Jeden Tag läuft er jetzt mehr, an der Hand, aber auch frei, es ist verrückt, diese Entwicklung mit anzuschauen! Besonders, wenn es sich sehr lohnt oder er abgelenkt ist (zB wenn er versucht, die Katze zu fangen) 'rennt' er schon fast! 😍
Wir waren froh, die eine Nacht länger geblieben zu sein, auch wenn das hieß, einen Schönwettertag in den Alpen zu verlieren. Dafür haben wir einen Camper und dafür sind wir flexibel, um unsere Pläne anpassen zu können...

Bevor wir am Montag dann aber richtig starten konnten, mussten wir unser Van erstmal entleeren. ;-) Da gab es auf dem Hof keine Möglichkeit und da wir zwei Tage autark standen, war alles voll. Wenn ihr versteht... 😅

Dadurch haben wir aber leider ziemlich Zeit verloren und da wir außerdem natürlich später loskamen als geplant, wachte Yaron noch auf deutscher Seite wieder auf. Mist... Tobias hat ihn bespaßt und es hat die meiste Zeit auch gut geklappt. Eine halbe Stunde vor dem Ziel haben wir nochmal eine ausgedehnte Pause gemacht, aber danach ging es nur noch ums Durchhalten, bis wir endlich dort waren. Für uns alle drei: Yaron wollte raus aus dem Sitz, Tobias kam an seine Grenzen, was die Ablenkungsmanöver anging und ich versuchte, schlechte Stimmung und Geschrei vom Rücksitz zu ignorieren und vernünftig weiter zu fahren... 

Der Platz kurz vor dem Reschenplatz, Camping Via Clausiasee, war ganz schön, supersauber und nette Besitzer.

Aber es war ein langer und anstrengender Tag, nachdem wir alle drei geduscht hatten (das war ein Abenteuer mit Yaron, der so viel lieber den Baderaum erkunden wollte!) und einem schnellen Abendessen ging es ab ins Bett. Die Besitzerin hatte uns beim Einchecken noch vorgewarnt, dass der Reschenpass gesperrt sei und die Ausweichstrecke sehr eng und kurvig und für größere Gespamne bzw. Wohnwägen nicht mehr fahrbar - das hat uns auch ein bisschen nervös gemacht und so wollten wir früh schlafen um dann ausgeruht weiterfahren zu können.

Das Wetter sollte schon umschwenken und wir wollten den Pass auf jeden Fall ohne Schneeregen passieren, weshalb wir in Österrreich tatsächlich nur eine Nacht verbracht haben.

25. September 2020

Quer durch Deutschland zurück

05.09. bis 08.09.2020 Niedersachsen und Werratal mit Eisenach

(nf) Fehmern verließen wir mit dem Gefühl, dass es sich nicht so richtig gelohnt hat - entweder hätten wir länger bleiben müssen, um von der Insel mehr zu sehen oder uns eben einen anderen Ostsee-Fleck raussuchen, der vielleicht mehr auf dem Weg gelegen hätte...

So machten wir uns auf dem Weg und wollten bei Soltau ungefähr auf einem Bio-Milchbauernhof unser Nachtlager aufschlagen. In Hambug hatte es gleich Stau und da Yaron sowieso schon wieder wach war, haben wir uns entschieden, einen Kaffee-Abstecher zu machen. Einmal in die Stadt und wieder raus... ;-) der Kaffee war sehr gut, allerdings haben wir auch ziemlich Zeit 'verloren', war jetzt vielleicht nicht die allerschlauste Idee.... ;-)

Endlich auf dem Hof angekommen (es war von der Autobahn doch noch ein ziemliches Gegurke und dann gab es auch noch eine Straßensperrung zu umfahren wegen eines offensichtlich sehr schweren Unfalls...) durften wir Toni in einem alten Eichenhain parken. Dann kam noch die Sonne raus und schien zwischen den Bäumen durch, sehr idyllisch!

Natürlich aben wir auch mit Yaron Tiere geguckt, die Kühe waren gerade im Stall. Naja, Yaron ist ein echtes Stadtkind: großes Geschrei, als die Kuh muhte, er wollte sich gar nicht mehr beruhigen...

Mit dem Bauern hatten wir interessante Gespräche, er hat uns einiges erzählt. ZB dass sie nur zum Biobetrieb wurden, weil das Geld irgendwann mal knapp war und dann sind sie auf die Wirtschaft umgestiegen, bei der sie am wenigsten Geld in den laufenden Betrieb investieren mussten. Oder dass sie zwar Biomilch produzieren, aber den Großteil der Milch konventionell verkaufen, weil es keine vernünftigen Abnehmer gibt. Oder, dass sie pro Liter Milch 30ct bekommen und vor zig Jahren gab es dafür noch 80Pfennig. Oder dass sie für junge (männliche) Kälber, beim Verkauf zum Mästen und Schlachten, dass sie für dieses Kalb 10€ bekommen. Vor allem letzteres hat mich schockiert... Die Idee hinter 'Landvergnügen' ist, dass man mit der Jahresvignette kostenlos auf den teilnehmenden Höfen stehen kann und dadurch dann zum einen einen Einblick in die Betriebe bekommt und zum anderen in dem meist noch vorhandenen Hofladen etwas kauft. Für uns ist das super, kaufen wir doch sowieso gern so ein und stehen nicht so gerne auf normalen Campingplätzen... die Vignette für nächstes Jahr ist schon bestellt!


Am nächsten Tag ging es weiter Richting Eisenach/Werra. Wir wollten nochmal irgendwo hin, wo man schön wandern kann und Tobias hat einen tollen Campingplatz direkt an der Werra in Altenburschla gefunden. Vielleicht war er nur deshalb so cool, weil er von Holländern geführt wurde?! Jedenfalls stand am Eingang ein alter Bus gefüllt bis obenhin mit Spielen, Spielsachen und Büchern. Yaron im Paradies! 😊

Uns begrüßte auf unseren Stellplatz ein zweisprachiges Schild und auf der Wiese vier Wuschelbeinhühner, ein Hahn und 8 Wuschelbeinküken. 🙂 Yaron war auch begeistert - bis der Hahn krähte... 😅 Danach konnte er ihn für die nächsten zwei Tage nur noch vom Arm aus anschauen...

Die Nächte, die zwischenzeitlich deutlich besser waren, wurden wieder schlechter. Ob es am Hahn lag oder doch an den Zähnen?!

Am Tag danach haben wir unsere Kraxe eingeweiht und eine schöne Wanderung mit ca 3h Dauer, 250hm und 12km Länge gemeistert. Yaron hat gut mitgemacht, wahrscheinlich ist das so ein Umfang, den wir auch mit ihm gut gehen können. Test bestanden. 😉

Für den Folgetag haben wir uns entschieden, nach einer netten Radtour vormittags an der Werra entlang, nachmittags nach Eisenach zu gehen und von dort aus in die Nacht hinein zurück nach KA zu fahren. Nachdem Tobias die letzte Nacht zum ersten Mal im Dachzelt geschlafen hatte (gut, aber kalt und zwar für ihn und auch für uns unten), war das Fahren in die Nacht hinein der letzte große Punkt, den wir auf unserer Probetour noch ausprobieren wollten. 

In Eisenach parkten wir zentrumsnah auf einem Stellplatz und liefen dann zum Marktplatz. Ich erinnerte mich an eine Eisdiele, bei der ich vor Jahren bei einem Vollack-Teamtraining kein Eis gegessen hatte und worüber ich mich immernoch ärgerte. Zu meiner großen Freude gab es die Eisdiele noch und das Eis und vor allem die Waffel waren hervorragend. Da haben sich die knapp 10 Jahre warten gelohnt. 😅 Danach sind wir, da wir den Bus verpasst haben, auf die Wartburg hochgelaufen. Yaron bei Tobias in der Manduca, ich mich dem Buggy über der Schulter - ächz!!! 

Aber es war sehr schön und nochmal ein guter Abschluss unserer Tour. Dann haben wir eine Pizza zum Camper mitgenommen und dort auf der Wiese noch zu Abend gegessen, Yaron bettfertig gemacht und gegen 8 losgefahren. Naja. Die ersten 50km waren eine Tortur mit etlichen Stopps und Dauergeschrei. Irgendwann hat es geklappt, Yaron zum Schlafen zu bringen und schlafend abzulegen. Gegen 12 waren wir in KA, die restliche Fährt lief gut, aber entspannt ist halt anders. Wir waren jedenfalls alle geschafft von einem aktiven Tag, der langen Fahrt und dem späten ins Bett kommen...


So war sie also vorbei, unsre Probetour. 

Im Grunde und unterm Strich hat es sehr gut geklappt. Aber es war gut, dass wir diese Tour gemacht haben. Erstens haben wir uns doch nochmal ein paar Dinge überlegt, die wir am Camper direkt anders machen wollten und außerdem gab es auch so ein paar Erkenntnisse:

- 'großer' Camper hin oder her, schlechtes Wetter und/oder kalt ist Mist. Mit einem kleinen Kind, was sich kaum bändigen lässt, noch viel mehr

- überhaupt ist es etwas ganz anderes mit Kind. 'Einfach mal sein' ist nicht so leicht, wenn immer einer schauen muss, dass er nicht die Felgen ablutscht, rückwärts aus dem Camper purzelt, das Messer auf der Arbeitsfläche entdeckt, mal schauen will, was so am Flussufer geht usw.

- wir müssen unsere Tour in kurze Fahretappen aufteilen. Alles über ca 2,5h wird ungemütlich und macht echt keinen Spaß. Und die Nachttour war ja jetzt leider auch keine Option

- Eine Erkenntnis war auch, dass Yaron den Camper mag und es vor allem liebt, hinten im Bett zu liegen und aus dem Heckfenster zu gucken 😍