21. Dezember 2013

Hauptstadt und Silberstadt

15.12. - 20.12.2013 Bolivien: Sucre und Potosi

Mit etwas Verspätung nun auch die Bilder:

(ts)
Mit Sucre haben wir beide wohl eine neue Lieblingsstadt der Reise gefunden. Mit Großstädten wie Quito, Lima oder La Paz können wir oft nicht so viel anfangen. Aber Sucre mit 220000 Einwohnern ist ja ähnlich wie Karlsruhe: es gibt alles was man braucht und zudem ist es übersichtlich und zu Fuß erreichbar. Da die Hauptstadt auf 2700m liegt, waren auch die Temperaturen wieder angenehmer.

Die Fahrt von der inoffiziellen (La Paz) zur offiziellen Hauptstadt Boliviens (Sucre) war trotz den bequemen Liegesitzen eher einer der schlechtesten Nachtfahrten. Der Bus hatte keine Toilette, bzw. sie war angeblich defekt und wurde nicht aufgeschlossen. Nach 3 Stunden mussten mehrere - auch ich, aber der Busfahrer machte erstmal keine Anstalten anzuhalten und bequemte sich erst nach 3,5 Stunden dazu. Nicole und ich sind schnell aus dem Bus gestürmt. Als Nicole noch auf der Suche nach einer Toilette war und ich auf dem Rückweg, fuhr der ignorante Busfahrer los. Nicoles Urschrei und mein Spurt hinter dem Bus brachte ihn immerhin dazu, nach 100m wieder anzuhalten. Außer uns fehlte noch ein weiterer Tourist... Die Fahrt wieder aufgenommen ging es wieder 2,5 Stunden bis zur nächsten Pause und die letzten 6,5 Stunden wurden durchgefahren. :-(

In Sucre angekommen, wurde unsere Laune durch die Begrüßung des auserkorenen Hostels gleich um Welten besser. Das von einer schweizer Familie geführte "La Dolce Vita" war sauber, billig (10€ pro Nacht) und die Mutter der Familie erklärte einem Anhand des Stadtplans wirklich die komplette Stadt - eindeutig Preis-Leistungs-Sieger unserer bisherigen Unterkünfte! :-)

Gut gelaunt konnten wir mit dem Stadtrundgang starten, der Hauptplatz mit den vielen weißen Kolonialgebäuden wurde zuerst bestaunt.
Ein Museum über die Geschichte Boliviens stand als nächstes an. Bei der Führung lernte man u.a. Simon Bolívar, den Namensgeber des Landes, und General Sucre, den Namensgeber der Stadt, näher kennen. Beide waren maßgeblich an der Befreiung Südamerikas von der spanischen Besetzung beteiligt. Auf dem Weg zurück zum Hostel kauften wir noch im Supermarkt und auf dem Markt reichlich zu Essen ein, schließlich hatte das Hostel auch eine gut ausgestattete Gästeküche. Besonders Nicole freute sich auf das selbst zubereitete Frühstück und das Abendessen mit reichlich Salat an zweiten Tag. Am Mittag besuchten wir ein Fußballspiel der ersten bolivianischen Liga: Universitario Sucre gegen Nacional Potosí hieß die Paarung. Das Stadion war nur halb voll und auch die Stimmung war mäßig... Nicole musste keine Eintritt zahlen, da Frauen frei sind. Erinnerte alles an die deutsche Kreisklasse. Auch das Spielniveau war nicht viel besser. Die wenigen Polizisten waren die ganze Zeit damit beschäftigt, das Alkoholverbot durchzusetzen. Witzig war, wen Nicole als Nebenmann bekommen hatte. Gegensätze ziehen sich halt an... ;-)


Am zweiten Tag in Sucre hatte ich nach dem Aufstehen einen kleinen Kater, sollte dieser wirklich von den 2 Starkbier kommen, die ich zum Abendessen trank?! Gegen Mittag war er verflogen und wir konnten uns auf den Weg zum Aussichtspunkt machen.
Direkt darunter gab es ein nettes italienisches Café, bei dem wir wieder einmal Daryl, unser schweizer Freund von der Stahlratte, getroffen haben. Witzig war, dass wir seit dem letzten Treffen in Nasca fast die gleichen Dinge erlebt haben. Zurück in der Stadt erkundigten wir uns nach einer Motorradtour. Sie hörte sich klasse an, so dass wir sie für den Folgetag fest eingeplant haben, falls das Wetter passt. Interessant ist, dass man hier für die 200ccm Geländemaschinen zumindest inoffiziell keinen Führerschein braucht. Abends zauberte Nicole in der Gästeküche eine Gemüse-Käse-Soße zu den Nudeln, dazu einen Salat und einen bolivianischen Weißwein. Lecker!!!

Nach dem Frühstück am dritten Tag machte ich mich gleich auf dem Weg, um die Motorradtour zu buchen. Aber leider waren schon alle Motorräder verliehen. Auch die beiden anderen Veranstalter hatte keine mehr... :-(  Als Ersatz besuchten wir den Friedhof. Dort angekommen, standen gleich mehrere Jungs Schlange, die uns eine Führung anboten. Wir wählten einen aus und waren echt erstaunt, wie viel er über die Gräber und Mausoleen erzählen konnte. Zurück im Zentrum gabs Café und Kuchen und Daryl kam natürlich auch wieder zufällig dazu...

Ein letztes leckeres Frühstück und schon mussten wir Abschied nehmen von dem klasse Hostel "La Dolce Vita" und der neuen Lieblingsstadt "Sucre". Mit dem Bus ging es in 3 Stunden nach Potosí, die Silberstadt mit 150000 Einwohnern liegt auf über 4000m Höhe. Sie schimpft sich somit die höchstgelegene Großstadt der Welt. Wir haben uns im Vorfeld gegen eine Besichtigung der Minen entschieden, da selbst heute die Arbeitsbedingungen der 11000 Kumpels immer noch sehr sehr schlecht sind. Wie wir bei einer Führung durch ein Museum erfuhren, sterben heute noch jährlich 45 Minenarbeiter in den 120 Minen. :-(

Nach der Ankunft mussten wir uns erst wieder umgewöhnen, weder das Hostel noch die Stadt konnten mit dem jeweiligen Vorgänger mithalten. Potosí war nicht so modern und strukturiert wie Sucre und das neue Hotel nicht so sauber und auch der Service schlechter. Immerhin haben wir beim Stadtrundgang ein nettes Café, auf der Dachterrasse einer Kirche, gefunden.

Wir waren die einzigen Gäste und tranken einen "Mate de Coca", um uns an die Höhe zu gewöhnen. Wir sind immer noch skeptisch, ob "Coca" wirklich bei der Angewöhnung an die Höhe hilft, aber die Einheimischen schwören darauf: Sie trinken ständig Mate de Coca und kauen die Coca-Blätter... :-) Nachdem wir in Sucre keinen Erfolg hatten, wollten wir nun hier endlich eine Motorradtour buchen. Trekking haben wir aufgrund des Wetters sowieso bereits abgeschrieben. Leider blieb die Suche danach erfolglos... Zu guter Letzt gab es aber wieder eine Mountainbiketour...
Nicole wird hier noch zum Downhillprofi! ;-)
Um 8:30 Uhr wurden wir von 3 Guides abgeholt. Es war eine Privattour mit dem Fahrer und den beiden Guides. Zuerst ging es hoch mit dem Geländewagen auf die halbe Höhe (4400m) des Cerro Rico (4800m). Der Berg ist mit Stollen durchlöchert wie ein schweizer Käse... Auf Schotterpiste ging es dann runter auf 3800m und anschließend auf Asphalt wellig weiter bis zur heißen Therme "Ojo de Inca", ein Vulkankrater gefüllt mit 35 Grad warmen Wasser. Sobald es ein wenig bergauf ging, ließ sich Andrés, ein Guide, immer zurückfallen und vom Geländewagen ziehen. Faules Stück! Die heißen Therme waren ideal zum Entspannen nach der 32km Radtour. ;-) Die Tour war ein guter Zeitvertreib und die Landschaft mal wieder komplett anders und beeindruckend.

Zurück in der Stadt besuchten wir nach dem obligatorischen Café mit Kuchen das Museum über die Geschichte des Silbers in Potosí. In dem Museum wurden bis vor 50 Jahren noch die Silbermünzen des Landes hergestellt.
Es war ganz schön abwidernd zu sehen, wie die Spanier zur Kolonialzeit die indigene Bevölkerung und afrikanische Sklaven zum Abbau des Silbers missbrauchten. Laut Schätzungen kamen dabei mehrere Millionen Menschen um. Erst vor wenigen Jahren wurde vor der Küste Floridas ein spanisches Handelsschiff auf dem Meeresgrund entdeckt, das Silber und Gold aus Potosí im Wert von 300 Millionen Dollar geladen hatte. Die großzügigen Amis gaben ganze 2 Münzen zurück an die Stadt Potosí... ;-)

Nachdem Nicole auf dem Markt gleich hoffentlich noch etwas warmes zum Anziehen findet, geht es mit dem Bus weiter nach Uyuni. Dort wartet eine 3 tätige Tour durch den größten, ausgetrockneten Salzsee der Erde auf uns. Nachts soll es dort Temperaturen bis minus 25 Grad geben. Brrrrrrr! Am 23. Dezember endet die Tour in San Pedro de Atacama (Chile). Dort wollen wir die Weihnachtstage verbringen. Wir hoffen, ihr habt dafür alle Vorbereitungen schon abgeschlossen...


@ Christian R.: Immer wenn ich im Sattel sitze, merke ich schon wie mir das Mountainbiken fehlt. Da November bis Februar daheim noch nie die großen Bikemonate waren, liegt es nicht in den Top 5... Aber halte dir im April trotzdem ein Wochenende frei, da können wir wieder gemeinsam eine Runde drehen!!! Gruß Tobias

16. Dezember 2013

Death Road - Survivor

Oder Schweizer Wochen in La Paz...

10.12. - 14.12.2013 La Paz

(nf)
Falls ihr euch wundert, warum wir immer so viel schreiben: wir fahren so viel Bus, vor allem nachts, und was soll man schon treiben die ganze Zeit?! Wir vergessen das Reisen also keineswegs, aber so ist es uns ein netter Zeitvertreib, um die vergangenen Tage nochmal Revue passieren zu lassen, bevor dann am naechsten Ort die neuen Eindruecke dazu kommen.
Aktuell befinden wir uns im Nachtbus von La Paz nach Sucre (Hauptstadt Boliviens), 12h Busfahrt stehen uns bevor.

Wie Tobias schon geschrieben hatte, war unser erster Eindruck von La Paz eher schlecht: laut, stickig, Verkehrschaos, ausserdem hats geregnet. Das Hostel, in welches wir uns haben bringen lassen, war auch nicht so super: kleines Bett (fuer 1,2m sind wir eindeutig entweder zu lang zusammen oder zu alt... :-) ), Zimmer nach vorne auf die, je nach Verkehr, 2- bis 6-spurige Strasse mit einfachverglasten Fenstern: was bedeutete, man konnte es nicht oeffnen (La Paz war die bezueglich Abgasen und Verkehrschaos schlimmste Stadt bisher und die Strasse vor dem Hostel die Hauptverkehrsader) und man hoerte die ganze Nacht das Gehupe. Nur die heisse Dusche und dass es einigermassen sauber war, machten ein bisschen was wett. Am naechsten Morgen entschieden wir nach einem anderen Zimmer zu fragen und wenn nicht, das Hostel zu wechseln. Tatsaechlich war es moeglich, in ein anderes Zimmer zu wechseln, dass in einen ruhigen Hinterhof ging und eigentlich Platz fuer 4 Personen bot. So kam es, dass ich mein eigenes 1,2m Bett hatte, Tobias daneben in seinem lag und wir ein weiteres Bett fuer unsere ganzen Sachen hatten. Dementsprechend positiver gestimmt gingen wir in den Tag!

Zu Beginn war mal wieder Planen und Organisieren angesagt: unser Mountainbikeausflug wollte gebucht sein, eigentlich hatten wir einen mehrtaegigen Trek geplant wo Tobias die 5000m-Marke knacken wollte und die ersten Infos fuer die Salzwueste wollten wir auch noch einholen. Schlussendlich haben wir das dann alles in einer Agentur bekommen: beim Bikeausflug haben wir uns fuer den teuersten (und besten) Anbieter entschieden (Werbespruch: It's not the place to cut corners), vor allem Tobias war es sehr wichtig, dass  die Bikes sehr gut sind. Tatsaechlich waren sie dann mindestens genauso gut wie Tobias Bike daheim und alle juenger als 2 Jahre - also wirklich gut. Die ersten Infos zur Salzwueste haben sich auch gut angehoert und wegen dem Trek haben wir uns entschieden, bis nach der MTB-Tour zu warten und das Wetter dann anzuschauen: es regnete wieder. Danach gingen wir ein bisschen in der Stadt spazieren und kauften erste Souvenirs. Bisher haben wir uns immer zurueck gehalten (man muss ja alles schleppen...), aber inzwischen haben wir so viel gefroren, dass klar war, wir brauchen Alpaca-Klamotten. Nach vielen Laeden, viel Handeln und viel Unentschlossenheit war es dann endlich soweit: Tobias fand einen Pullover!
Fuer mich war noch nicht das richtige dabei. ich muss noch ein bisschen laenger suchen... Als Belohnung wollten wir noch einen Kaffee trinken gehen. Das erste mit guten Eindruck war ein schweizer Kaffee. Da wir beide dringend eine Pause benoetigten sind wir direkt dahin. Und was war? Es gab Spaetzle und Roesti! Vergessen war der Kaffee und schnell bestellt. Das Essen war wirklich gut, vor allem der Salat, den es dazu gab, hatte ein richtiges Dressing! Nicht Salz-Pfeffer-Essig-Oel, sondern Joghurt und Kraeuter und Knoblauch und ueberhaupt! Am Anfang einer Reise kann man sich nicht vorstellen, dass man deutsches (oder in dem Fall schweizer) Essen moechte, man reist ja schliesslich nicht, um das gleiche wie daheim zu haben. Aber nach einiger Zeit freut man sich, richtiges Brot oder wie in dem Fall echte Knoepfle zu bekommen... Muss auch mal sein. Dermassen gestaerkt machten wir uns wieder auf dem Heimweg und bereiteten uns seelisch, moralisch und auch sonst auf den folgenden Tag vor:

Tag 2 in La Paz - DEATH ROAD
Einer der Hoehepunkte unserer Reise sollte die Downhill-MTB-Tour auf der sogenannten Death Road sein. Start auf ca. 4700m gehts in ca. 4h-5 Fahrt runter bis auf ca. 1200m.
Der Name ruehrt daher, dass frueher im Schnitt 26 Fahrzeuge im Jahr von der einspurigen Strasse abgekommen sind. Da die Strasse unbefestigt ist und es auch keine Leitplanken o.ae. gibt und es teilweise ueber 400m senkrecht (nicht steil, oh nein, senkrecht!) den Berg runter geht, war die Ueberlebenschance dabei nicht besonders gross. Inzwischen gibt es fuer den Bus-, LKW- und Autoverkehr eine neue, groessere, zweispurige und asphaltierte Strasse, so dass die alte hauptsaechlich von MTBs und nur vereinzelt von anderen Fahrzeugen befahren wird. Seit das ganze als Touri-Attraktion angeboten wird, sind laut Aussage unseres Guides 17 Radfahrer gestorben: hauptsaechlich, weil sie auf der falschen Seite des Fahrrads abgestiegen sind und dann das Gleichgewicht verloren haben (kein Scherz!) oder weil sie beim Filmen anderer Fahrer den beruehmten Schritt zuviel rueckwaerts gemacht haben. :-/
Nachdem wir uns morgens in einem Kaffee mit unserem Guide und den 8 anderen Mitfahrern getroffen haben, ging es erst einmal noch eine Stunde bergauf. Am Pass angekommen wurde die Ausruestung verteilt (Helm, dicke Regen-Jacke, -Hose und -Handschuhe und natuerlich die Fahrraeder)
und der Guide machte mit jedem einzelnen eine kurze Einfuehrung in das Fahren. Wie sitzt man, wie bremst man, wie faehrt man Kurven usw. Wir waren wie gesagt 10 Fahrer, wobei nur Tobias echte MTB-Erfahrung hatte, 2 enlischsprachige Guides und ein Fahrer, der staendig hinter uns herfuhr. Ein Guide fuhr dann spaeter vorne weg, der Bus immer hinter dem letzten der Gruppe und der zweite Guide entweder am Filmen/Fotos schiessen oder am Begleiten des hinteren Teils der Gruppe. Alles hoechst professionell und wir fuehlten uns auf der "Worlds most dangerous road" mit dem Unternehmen gut aufgehoben.
Nach einem kurzen "segnen" der Raeder mit Schnaps, kurzes Opfer an Pachamama (Mutter Erde) und einer kleinen Staerkung von uns
ging es dann los.
Die ersten 22km ging es auf der neuen Strasse auf Asphalt bergab, so konnten wir uns alle an die Fahrraeder gewoehnen und uns ein bisschen ausprobieren, bevor es los ging. Leider empfing uns auf dem Pass Nebel, Regen und eisige Temperaturen. Ich trug am Anfang 3 Hosen, 3 Jacken und 2 Shirts... der Regen hat alles durchweicht,  baeh. dadurch hatten wir leider auch keinen Blick auf die eigentlich vorhandene, beeindruckende Bergwelt ringsherum. Nach dem Eingewoehnen ging es dann auf die 39km lange alte Strasse: unbefestigt, einspurig und mit beeindruckenden Klippen...
Man muss sagen, dass wir durch den tiefliegenden Nebel keinen so "guten" Blick in die Schlucht hatten: bis auf wenige Ausnahmen fuehlte es sich nicht so an, als wuerde es da so weit runter gehen. Was den Vorteil hatte, dass man sich nicht staendig ins Hemd machte, andererseits ist natuerlich auch die spektakulaere Aussicht ein Grund fuer die Tour... Alles in allem war die Abfahrt technisch nicht so anspruchsvoll und auch fuer mich gut zu meistern. Die Wahrscheinlichkeit zu fallen ist nicht sehr gross - Problem ist nur, wenn. Wir haben mal geschaetzt, dass an dem Tag insgesamt vielleicht so knappe 100MTBs die Tour gemacht haben. Und das bei Regen in der Nebensaison, im der Hauptsaison werden das mal bestimmt fast doppelt so viele sein... Da relativiert sich auch die Anzahl der Verstorbenen, so schlimm wie es ist.
Von allen Gruppen war unsere die Kleinste, die groesste Gruppe hatte sicherlich mehr als 30 Fahrer. Wir haben uns also mit der Agentur richtig entschieden... Mit jedem Meter der Abfahrt wurde es waermer, am Ziel waren wir mal wieder im Dschungel. Zum Glueck wurde man vor der Tour darauf hingewiesen, komplette Wechselklamotten mitzubringen, inkl. Schuhen und Unterwaesche, wir waren nass bis auf die Knochen. Nach einem ersten Ankunftsbier ging es fuer unsere Gruppe dann noch in eine Tierpflegestation, wo wir mit warmen Duschen und einem Buffet unsere Lebensgeister wiedererwecken und einen Haufen Affen beobachte konnten. Auf dem Heimweg, der dann 3h auf der neuen Strasse dauerte, hatten wir dann auch endlich Blick auf die Bergwelt - schade, dass es morgens so schlecht war! Zurueck in La Paz angekommen, liehen wir uns einen Heizluefter fuer unsere tropfnassen Schuhe und liessen den Tag beim inbegriffenen Bier der hosteleigenen Brauerei ausklingen.
Worlds most dangerous road - das T-Shirt gabs gratis dazu...
Am naechsten Morgen stand die Entscheidung an: Trek (von mehrtaegig haben wir uns schon auf eintaegig reduziert) am Folgetag und Sonntag dann Fussball im Stadion oder doch frueher abreisen?
Das Wetter machte uns die Entscheidung leicht: nachdem uns sogar die Frau von der Agentur eher von einem Trek abgeraten hat (und damit ja kein Geld mit uns verdiente), war klar, dass wir ihn nicht machen. Was bringts, auf 5000m zu stehen, aber um einen rum vor lauter Nebel und Regen/Schnee nichts zu sehen?! Also buchten wir nur die Tour in der Salzwueste direkt vor Weihnachten und entschieden uns, die restliche Zeit in zwei anderen, vielversprechenden Staedten von Bolivien zu verbringen: Sucre und Potosi. Den Nachtbus nach Sucre buchten wir fuer den Folgetag, so blieb genuegend Zeit unsere Schuhe zu trocken und 7,2kg Waesche in die Waescherei zu geben. Ausserdem erstand ich eine schicke Alpaca-Muetze und sexy Schafstulpen (recht bequem, wenn man die ganzen Hoelzchen aus der Wolle mal entfernt hat).

Da haben wir gerade die Top 5 geschrieben...
Ich frier nicht! ;-) Tobias erstand im Handel-Wahnsinn noch ein Bolivien-Trikot und da wir das Spiel am Sonntag jetzt verpassen, haben wir zumindest das leere Stadion noch besichtigt und ein weiteres Fotoshooting eingelegt.
Abends entschieden wir uns auf Grund einer Anzeige auf einem Flyer, fuer das "hoechste Fondue der Welt". Wieder bei einem Schweizer, klar, der uns ein sehr leckeres Kaesefondue mit echt Kirschwasser und einen leckeren bolivianischen Weisswein servierte. Und zum Dessert noochmal Kirschwasser. ;-)
Der erste Wein auf der Reise (die Flasche Fusel, die wir auf den Galapagos gekauft haben und groesstenteils verteilt haben, zaehle ich jetzt mal nicht dazu), lecker, ich freu mich auf Chile und Neuseeland! ;-) Dermassen angeduedelt ging es nach Hause und ins Bett.

Am letzten Tag in La Paz haben wir nach Telefonieren, Packen und Auschecken an einer kostenlosen Stadtbesichtigung teilgenommen. ich musste frueher abbrechen, da ich am Tag davor noch einen Termin im Spa ausgemacht habe (Massage! Pedikuere!), Tobias ist die ganzen drei Stunden mitgelaufen. Dabei haben wir viele lustige und interessante Dinge ueber La Paz und Bolivien im Allgemeinen gelernt. Zb ist es in La Paz nicht moeglich, eine U-Bahn zu bauen, weil zahlreiche Fluesse unter der Stadt verlaufen. Die Frauen in Bolivien tragen ihre "Tracht": einen waden- bis knoechellangen Rock mit einem Haufen Unterroecken (=> dicke Hueften = begehrenswerte Frau), eine Bluse mit einer Weste darueber, einen Stola um die Schultern und einen irgendwie zu klein aussehenden Hut (der uebrigens nicht festgemacht ist).
Cholita ist der Name des Rocks und
auch der Frauen, die ihn tragen
Die Roecke kommen daher, dass frueher die Spanier ihren Bediensteten die abgetragenen Klamotten gegeben haben, u.a. eben aufwendige, bodenlange Roecke. Die haben gefallen, aber bodenlang ist eher ein bisschen unpraktisch, weshalb sie einfach gekuerzt wurden. Und die Geschichte zu den zu kleinen Hueten: in Europa war diese Art Hut grosse Mode. Eine italienische Firma dachte, hm, tolle Idee, lass uns die Mode mal nach Suedamerika bringen, da gibt es viele Leute. Aber die sind alle ziemlich klein, dann haben sie auch kleine Koepfe. Also lass uns 10.000 kleine Huete produzieren und nach Suedamerika bringen. dort hat sich dann aber rausgestellt, dass die Leute zwar klein sind, aber keine kleinen Koepfe haben... Was machte man? Man erzaehlte den Frauen, dass das der letzte Schrei in Europa ist, diese kleinen Huete. Und die Frauen hier haben sie gekauft und tragen sie bis heute... :-)

Nach dem Entspannen im Spa und dem Rundgang wurde es leider nochmal ziemlich stressig, den Bus zu erwischen. Von der perfekten Organisation von Busreisen wie in Peru war hier nicht viel zu spueren... Ausserdem gibts hier weder essen noch trinken noch Toiletten im Bus, auch eine Neuheit. Aber, und das entschaedigt fuer alles: es hat echte Liegesitze. Dh aus dem Sitz wird ein echten, horizontales Bett und nicht wie bisher nur eine Moeglichkeit, die Beine hochzulegen und die Lehne ein bisschen runterzunehmen. Ausserdem ist die Heizung an, weshalb ich hoffe, nicht wie in Guatemala fast zu erfrieren. Scheint also einer erholsamen Nachtruhe (und damit verschlafen von viel Zeit) nichts mehr im Wege zu stehen.

La Paz hat uns, trotz schlechtem ersten Eindruck dann ganz gut gefallen: es ist was besonderes, eine Grossstadt auf 3200 bis 4100m zu sehen und ausserdem hatte die Stadt wirklich viele tolle Ecken. Das groesste Aergerniss ist das Verkehrschaos und der damit einhergehende Smog. Zusammen mit dem staendigen Regen und den relativ niedrigen Temperaturen freu ich mich jetzt auf die weiteren Ziele in Bolivien...

13. Dezember 2013

Top 5 des Tages

Um Sabines Aussage zu widerlegen, dass wir hier nix und niemanden vermissen, nachfolgend die aktuelle Top 5 der vermissten Dinge:

5) Fußball
4) jetzt schon: Fasent
3) selbst gemachtes Essen (Salat!, Kuchen!, badische Spätzle!)
2) unsere eigene Wohnung (Bett!, Bad!, Küche!)

Und die absolute Nummer 1:
1) unsere Leute (ihr fehlt fehlt uns wirklich oft!)

LG von der Rooftop-Bar in La Paz
Tobi & Nicole

12. Dezember 2013

... Bolivien!!!

08.12. - 10.12.2013 Titikakasee

(ts)
Sitzen gerade im Bus vom Titikakasee nach La Paz. Wir hatten zu Beginn in Bolivien zwei sehr schöne Tage auf der Isla del Sol:

Früh morgens startete unser Bus in Puno nach Copacabana. An der Grenze lief alles reibungslos und unspektakulär ab, wir mussten nur aussteigen, die Stempel von Peru abholen, zu Fuß über die Grenze gehen und die Stempel von Bolivien abholen. Also sind auch Landuebergänge kein Problem!
In Copacabana angekommen,  machten wir dort einen kurzen Zwischenstopp und fuhren mit dem Boot weiter auf die Isla del Sol - die Überfahrt war ganz schön langweilig ohne den gewohnten Wellengang. :-) Die Isla del Sol ist die größte Insel des Titikakasees, der übrigens auf 3800m Höhe liegt und 15mal so groß wie der Bodensee ist. Aufgrund der Höhe kann es hier nachts Temperaturen bis zu 0 Grad geben. Da es hier keine Heizungen gibt, mussten wir uns nachts mit vielen Decken einmummen. Die Stadt Copacabana hat leider keine so schönen Strände wie die gleichnamige Küstenregion in Brasilien... :-(  Allerdings hat diese ihren Namen von der bolivianischen Stadt durch Aussiedler vererbt bekommen. Man lernt eine Menge auf Reisen... ;-)

Auf der Insel mussten wir gleich mit dem kompletten Gepäck einen sehr steilen Weg in das Dorf mit den Unterkünften aufsteigen. Auf halben Weg hatte uns gleich der Besitzer der Inti Wasi Lodge aufgegabelt und uns den Weg zu unserer vorab ausgesuchten Unterkunft gezeigt. Dort eingetroffen, waren wir skeptisch, ob wir wirklich in der Inti Wasi Lodge sind, aber der Mann versicherte es uns nochmals und zog das Registrierungsbuch mit dem Namen. Die Unterkunft machte keinen schlechten Eindruck, also bezogen wir die Lodge und bezahlten brav unsere 140 Bolivianos (14€). Beim anschließenden Spaziergang durch den Ort stießen wir natürlich auf die echte Inti Wasi Lodge - war ja klar... :-(  Da wir beide nicht bei so einem dreisten Lügner nächtigen wollten, zogen wir in das Original um. Dort wurden wir auch gleich herzlich empfangen und bekamen zum Abendessen eine riesige und leckere Pizza!
Blick von unserer Lodge

Als der Wecker klingelte und wir aus dem Fenster schauten, sahen wir jede Menge Regenwolken. Eigentlich wollten wir eine Tageswanderung vom Norden zum Süden der Insel machen, aber bei diesem Wetter blieben wir lieber noch etwas im Bett liegen. Wir hatten Glueck und das Wetter wurde besser, so konnten wir die Wanderung dann doch noch starten. Um 10 Uhr ging es mit dem Boot zum Nordende der Insel und von da aus zu Fuss vorbei an Inkaruinen und auf dem Grat der Inselbergkette zurueck. Die Aussichten über den See waren gigantisch und entschädigten für die knackigen Anstiege bei dünner Luft.


Interessant auf dem Weg war außerdem, dass jede der drei Gemeinden am Ortseingang einen Wegezoll verlangte. Der Betrag war zwar jeweils unter 2 Euro, aber trotzdem fühlte man sich wie im Mittelalter.

Nun stand auch schon der naechste Reisetag an. 2 Stunden mit dem Boot zurueck nach Copacabana und 3,5 Sunden Busfahrt von dort nach La Paz standen auf dem Programm. Doch zuerst kam wieder die Überraschung beim Aufstehen. Das einstündige, heftige Gewitter in der Nacht hat nicht nur jede Menge Regen mitgebracht, es lag eine 5cm hohe, weiße Graupelschicht vor der Tür.
Da wünscht man sich wieder zurück an die sonnige und warme Küste... ;-) Auf der Busfahrt nach La Paz kam die 2. Überraschung: Wir mussten den Titikakasee mit einer Fähre queren. Allerdings waren die Fähren nicht viel größer als der Bus und bewegten sich auf dem See wie Autoscooter auf dem Rummel. Ich möchte lieber nicht wissen, wie viele Busse schon auf dem Seegrund liegen. Zum Glück durften wir aussteigen und in einem separaten Boot fahren.

Inzwischen sind wir in La Paz angekommen und haben das Adventure Brew Hostel bezogen. Der erste Eindruck von der Stadt und dem Hostel waren nicht berauschend, aber wie der Name des Hostels verrät, gibt es hier Fassbier von einer oertlichen Brauerei... ;-) Mal schauen was die Tage in La Paz so bringen, wir wollen hier Mountainbiken, Trekken und Relaxen.

@ Eva: Du hast nichts verpasst, den Ring habe ich schon seit 10 Jahren. :-)

11. Dezember 2013

Fazit Peru

26.11. - 07.12.2013

In Peru haben wir uns, wie geplant, auf die Hauptattraktionen beschraenkt und sind somit die ganze Zeit auf dem "Gringo-Trail" geblieben.
Im Grossen und Ganzen war alles wie erwartet und wir haben uns immer sicher gefuehlt. Ueberrascht hat uns die wuestenaehnliche Landschaft an der Kueste, die beeindruckenden Nazca-Linien und die kulinarischen Koestlichkeiten (abgesehen vom Frühstück, Margarinebrot, brrr). Außerdem hatten wir nicht damit gerechnet, dass uns die Hoehe, besonders ab ca. 3500m, so zu schaffen macht.
Peru ist besser auf Touristen eingestellt als die bisherigen Laender, Peru ist DAS Reiseziel in Suedamerika. Dadurch ist es ein sehr einfach zu bereisendes Land, allerdings vor allem bei Touri-Attraktionen teurer und voll mit Touristen. Insbesondere die Eintritte sind uns, beispielsweise im Vergleich zu Ecuador, negativ aufgefallen.
Positiv aufgefallen ist uns vor allem in Ollanta, dass die oertliche Bevoelkerung die indigenen Bergdoerfer unterstuetzt. So hat der MTB-Guide auf dem Weg zum Pass mehrfach angehalten und wartenden Kindern und Frauen Brot geschenkt und wir haben unsere mitgebrachten Kugelschreiber an eine Organisation spenden koennen.

Highlights: Nazca und Machu Picchu (ts+nf)
Tiefpunkt: Ankunft in Nazca (ts), Tag 3 im Colca Canyon (nf)
Tagessatz p.P.: 54,50€ inkl. Nazca-Flug und Machu Picchu
kalkulierter Tagessatz p.P.: 60€
hoechster Punkt: 4910m (Rueckfahrt Colca Canyon)
verwendete Verkehrsmittel: Bus, Minibus, Taxi, Collectivo, Mini-Flugzeug, Zug, Muli (nf)
laengste zurueckgelegte Strecke: 13h, Nachtbus und Collectivo von Arequipa nach Ollantaytambo
bemerkenswertestes Tier: Riesensau in Nazca (nf), Wuschelschwanzhase bei Machu Picchu (ts)
wichtigster Ausruestungsgegenstand: Sonnencreme 50+ (nf) und Kamerastativ (ts)
unnuetzester Ausruestungsgegenstand: Moskitonetz

8. Dezember 2013

In Peru, in Peru, in den Anden

02.12. - 07.12.2013 Ollantaytambo, Machu Picchu & Cusco

(nf)
Wir befinden uns auf dem 385km langen Weg mit dem "Inka Express" von Cusco nach Puno am Titikakasee, wo wir einen kurzen Nachtstopp einlegen werden. Morgen werden wir dann Peru in Richtung Bolivien verlassen - unsere erste Grenzueberschreitung auf dem Landweg.

Vom Nachtbus von Arequipa nach Cusco sind wir ja direkt in ein Auto in das "Heilige Tal", "Valle Sagrado" gestiegen. Eigentlich wollten wir mit einem Collectivo fuer 10-12S p.P. (ca. 3Euro) fahren, aber der Taxifahrer fuhr uns zu seinen Kumpels, der mit sich seinen Privat-PKW mit Leuten lud und die Strecke fuer 15S fuhr. Uns wars recht, nach dem Nachtbus hatten wir keine grosse Lust, 2-3h mit 25 anderen eingepfercht im Minibus zu verbringen. Und so waren wir schon nach weiteren 75min in Ollantaytambo, oder Ollanta, wie die Einheimischen und Kenner sagen :-), angekommen. Ich war froh, als die lange Etappe vorbei war, steckte mir doch noch die letzte Nacht vom Colca Canyon in den Knochen. Das heilige Tal heisst so, weil hier sehr viele ehemalige Inkastaetten liegen. Ollanta liegt so auch ca. auf halben Weg zwischen Cusco und dem beruehmten Machu Picchu. Die ersten beiden Tage liessen wir es ruhig angehen. Wir haben mal wieder ausgeschlafen, uns den Ort angeschaut und die Fahrt zum Machu Picchu organisiert. Wir haben gehoert, dass 80% der touristischen Einnahmen Perus im Umkreis von Macchu Picchu gemacht werden - wir glauben's gern, hier wird echt jede Gelegenheit genutzt, Geld zu machen... Unsere etwas verrueckte Hostelbesitzerin hat uns davon abgeraten, die Nacht vor Machu Picchu in "Aguas Calientes" zu verbringen. So haben wir den ersten Zug des Tages von Ollanta nach Aguas Calientes und einen spaeten zurueck gebucht. Die Strecke wird von 2 verschiedenen Gesellschaften ausschliesslich fuer Machu Picchu befahren. Dementsprechend sind die Preise (Jungfraujoch laesst gruessen), p.P. haben wir fuer die 30km zwischen Ollanta und Aguas Calientes hin und zurueck 80Euro bezahlt! Nun denn, man weiss es vorher... Gebucht.
Am zweiten Tag in Ollanta haben wir uns die Inkaruinen, die zum Ort gehoeren, angeschaut, quasi als kleine Einstimmung.
Als wir den Eingang rein wollten, wurde uns aber gesagt, dass der Eintritt 70Soles betraegt, also knappe 20Euro pro Person. Zwar konnte man dann an diesem Tag und dem Folgetag noch 3 andere Steinhaufen im Valle anschauen, aber das kam fuer uns wegen Machu Picchu nicht in Frage und nur fuer diese Anlage einen anteiligen Eintritt zu bezahlen war nicht moeglich. Im Verhaeltnis gesehen, konnten wir fuer das Geld 3 Naechte in unserem Hostelzimmer uebernachten... also nein. Nerv. So spektakulaer sahen die Steine von weitem aber eh nicht aus und ausserdem gab es auf der anderen Seite des Platzes noch ein anderes Tor, wo es kein Haeuschen gab, es also auch keinen Eintritt kostete. An diesem Tor sass auch eine Frau, die auf Touristen wartete, die sie in ihrer Tracht fotografieren wollen und winkte uns freundlich herein. Prima. Von dort haben wird die Ruinen angeschaut, sind durch die Anlage geschlendert, haben unser am Morgen auf dem Markt erstandenes Ueberraschungsobst
Maracuja-aehnlich & Apfelmelone
gevespert und haben uns unter die Leute gemischt, die uns seltsamerweise von der Richtung der Hauptanlagen entgegenkamen. Inzwischen fanden wir es schon ein bisschen seltsam... Aber naja, wo wir schon mal da waren, sind wir halt auch zu den Hauptanlagen gelaufen. Kurz davor hat uns dann einer der Aufpasser der Anlage angesprochen, ob er unser Ticket sehen koennte. Tjanun, hatten wir keines. Wir wollten wieder umkehren (in der Annahme, dass vielleicht an dieser Stelle der eintrittspflichtige Teil beginnt, durften wir nicht denn: es wurde eine Warnung an alle Aufpasser ueber Funk herausgegeben, dass zwei verdaechtige Personen (das waren dann wohl wir) die Anlage durch den Ausgang betreten haben und die Ordner wurden angewiesen, uns zum Eingang zu bringen, damit wir dort unsere ordnungsgemaessen 140Soles bezahlen koennen... Mist. Aber, wenn Daenemark und Neuseeland die beiden korruptionsschwaechsten Laender sind, liegt Peru irgendwo am anderen Ende der Liste... Fuer ein kleines Taschengeld von 20Soles fuer uns beide sorgte der Ordner dafuer, dass wir den Rest der Anlage unbehelligt anschauen konnten und sie dann auch ohne weiteres verlassen konnten. Durch den Ausgang. ;-) 120Soles gespart. Man muss aber wirklich sagen, dass die Anlage den hohen Eintritt auch ueberhaupt nicht wert gewesen waere, auch wenn wir jetzt einen schoenen Mittag dort verbracht haben.

Am naechsten Morgen ging es dann los: 4:37 am Bahnhof sein, Abfahrt des Zuges eine halbe Stunde spaeter. Die Zeit dazwischen wird fuer Fahrkartenkontrolle, Passkontrolle und Gesichtskontrolle (wir haben bestanden) genutzt. Ueberhaupt wird hier in Suedamerika staendig der Pass kontrolliert: beim Buchen von Zug- oder Busfahrten, beim Einsteigen und ueberhaupt mal zwischendurch. Ich bin froh um unsere eingeschweisste Kopie, die wir eigentlich meistens bei uns tragen. Inzwischen koennen wir auch unsere Passnummern auswendig, so oft, wie wir sie irgendwo eintragen muessen... Die vermutlich einzige Zugfahrt in Suedamerika (infolge der weggefallenen in Ecuador) war dann hoechst angenehm: sauber, bequem, genuegend Platz, Getraenk und Snack inbegriffen.
Touristenzug halt... die anderthalb Stunden nach Aguas Calientes vergingen in der spektakulaeren Landschaft sehr schnell. In Aguas Calientes mussten wir uns als erstes noch das Eintrittsticket fuer Machu Picchu besorgen, weitere 128Soles p.P. dabei der Schreck, dass sie unsere Reisepaesse wollte. Wie immer hatten wir aber nur unsere Passkopie dabei, die sie zwar versuchte, durch das elektronische Lesegeraet zu ziehen, was aber natuerlich nicht geklappt hat. Das waere der Hammer, wir mit dem teuren Zug hier und dann bekommen wir keine Eintrittskarte, weil wir nur eine Passkopie dabei haben... Das koennte man ja auch mal in einen Reisefuehrer oder so schreiben, dass man seinen original Reisepass braucht um eine Inkaruine zu besichtigen... :-/ Jedenfalls ging es dann unter dem muerrischen Blick der Verkaeuferin doch auch mit der Kopie. Kreditkartenzahlung ging aber nicht, so dass wir mit unserem letzten Bargeld bezahlen mussten und danach erst einmal noch einen ATM suchen mussten. Was nicht erfolgreich war, Automat ja, aber ohne Geld. Mist. Beim anschliessenden Kassensturz, der uns Auskunft geben sollte, ob wir uns den Bus zur Staette hin und zurueck leisten konnten oder ob wir einen Weg laufen mussten, dann die Erkenntnis: die Kuh hat uns 100Soles zu wenig raus gegeben! Somit hatten wir noch umgerechnet 12Euro in der Tasche, das reichte nicht einmal fuer einen zum Busfahren, geschweige denn noch eine Kleinigkeit zu essen... In meiner Entruestung sind wir direkt wieder zurueck zum Buero und haben reklamiert. Und siehe da: die Frau machte extra einen Kassensturz und hat uns dann die 100 Soles anstandslos gegeben. Glueck gehabt! So konnten wir dann doch den Bus nehmen und uns endlich auf den Weg nach Machu Picchu machen! Als wir angekommen waren, war es halb 8, es regnete Bindfaedenund es waren trotzdem schon viele Leute da.
Die Staette liegt auf einer Kuppe in den Anden auf ca. 2500m NN. Im Hintergrund der meisten Bilder (sowohl unsere als auch die allgemeinen) sieht man den Hausberg, der der Inkastadt den Namen gibt, den Machu Picchu (die Staette an sich hat keinen extra Namen).

 Man kann den in einer Stunde besteigen, wenn man zu den ersten 400 Interessenten des Tages gehoert und -klar- an der Ticketoffice ein bisschen Geld zahlt. Wir haetten die Moeglichkeit gehabt, haben uns aber dagegen entschieden: gegenueber liegt ein anderer Berg, den man in ca. 2h bewandern kann, auf dem weniger los ist, der laut Lonely Planet nichts kostet und von dem man dann den beruehmten Blick hat mit dem Hausberg im Hintergrund. Aber zuerst haben wir das Dorf an sich besichtigt. Hier haben hauptsaechlich Priester(innen) und ihre Diener gelebt. Die Staette kann man in unterschiedliche Bereiche einteilen, einen "heiligen" Bereich mit Tempel, einer Art Sakristei usw, einem wirtschaftlichen Bereich mit Lagerraeumen etc. und der landwirtschaftliche und Wohnbereich. Die Mauern sind sehr gut erhalten. Es ist unheimlich beeindruckend, wie exakt die Inkas es geschafft haben, die Steine aneinander anzupassen, das ist uns auch schon am Tag zuvor aufgefallen. Und dabei sind die Steine nicht gleich gross, so dass die Fugen nicht in einer Linie verlaufen.
Trotzdem passen die Steine 100% aufeinender, so dass kein Moertel oder aehnliches verwendet werden musste (zumindest fuer die sakralen Bauten, bei den Wohn- und lagerhaeusern haben sie sich nicht so viel Muehe gemacht und auch Moertel verwendet). Die Stadt an sich ist toll, gross und spannend, aber trotzdem jetzt nicht wahnsinnig spektakulaer. Spektakulaer ist eher die Lage mitten in den Anden und vor allem auch die Tatsache, wie weit fortgeschritten diese Kultur mit Bewaesserungssystemen, Terrassenanbau, Steinbearbeitung und Astrologie war. Inzwischen hatte der Regen auch etwas nachgelassen und hoerte teilweise sogar auf. Wir hoerten einen Guide, der seinen Leuten erzaehlte, dass in der Trockenzeit, unserem Sommer, so viel los ist, dass man einfach im Strom ist, an jeder Treppe warten muss und kaum laufen kann. Da waren wir doch froh, in der Nebensaison, in der Regenzeit dagewesen zu sein! Klar, ein Bild mit Sonne ist schoener, aber was hab ich davon, wenn ich den Tag nicht geniessen kann?! Dadurch, dass wir erst den Zug um dreiviertel 7 zurueck hatten, haben wir beschlossen, den ganzen Tag oben zu verbringen. Die meisten Touristen gehen um den fruehen Nachmittag wieder runter, so dass es dann nochmal ruhiger wurde.
Wermutstropfen zwischendrin: in unserem in Lima teuer erstandenen Lonely Planet von Peru war eine relativ gute Karte von der Stadt und einige Erklaerungen, so dass wir das Buch die ganze Zeit in der Hand hatten. Da Tobias mit seiner Kamera beschaeftigt war, blieb es an mir, den Guide zu machen. Naja und was ich sonst regelmaessig im Aldi mit meinen Einkaufszetteln oder meinen Autoschluesseln mache, hab ich dann halt mit dem Reisefuehrer gemacht: nein, Miriam, nicht die Seiten zerhuddelt (bzw. das auch, meinte ich aber nicht), ich hab ihn ganz offensichtlich irgendwo hingelegt und bin weitergelaufen. Wer will auch den ganzen Tag ein Buch schleppen... Waehrend im Aldi das allgemeine Interesse fuer meinen wohlstrukturierten Einkaufszettel allerdings nicht so gross ist und ich ihn deshalb in der Regel wiederfinde, war das hier anders.
perfekte Fugen und letztes Beweisbild
Und so hat weder die Suche und das Abgrasen der zurueckgelegten Strecke nach dem letzten Beweisbild mit Reisefuehrer noch das durchfunken der Aufpasser Erfolg gebracht. Das Buch blieb weg. :-(
Nach der Besichtigung der eigentlichen Staette haben wir noch einen kurzen Ausflug zur Inkabruecke gemacht, unheimlich, was die so in den nackten Fels gebaut haben, und wollten dann die ausgesuchte Wanderung starten. Naja, in der Zwischenzeit kostet auch die Eintritt, den kann man aber nur im Dorf unten mit der Eintrittskarte kaufen und so blieb uns nichts anderes uebrig, als die einzige noch kostenlose Wanderung zum Sonnentor (von der Stadt aus gesehen geht die Sonne durch dieses Tor auf) zu machen, gleichzeitig der Weg, auf dem die Wanderer des Inkatrails die Stadt erreichen. Die Wanderung war schoen mit einigen schoenen Ausblicken und somit war es gar nicht so schlimm, dass es mit der geplanten Wanderung nicht geklappt hat. Ausserdem haben wir auf der Wanderung mehrere der seltsamen Hasen mit Wuschelschwaenzen gesehen, welche neben den Alpakas die Stadt bevoelkern.
Rate, rate, was ist das?
Die meisten Reisenden in Peru in unserem Alter machen den beruehmten Inkatrail: 5 Tage Trek durch die Anden auf Hoehen von ca. 3000-4000m NN mit dem Ziel Machu Picchu. zu Hause haben wir uns das auch ueberlegt und uns dann aber dagegen entschieden: zum einen muss man das ganze mehrere Monate im Voraus buchen und damit auf den Tag genau festlegen, zum anderen ist es schweineteuer (ab 600 $ p.P). Deswegen haben wir uns dagegen entschieden und quasi als Ausgleich die Ciudad Perdida gemacht. Und jetzt, mit den Erfahrungen der letzten Trekkingtouren und dem Wetter der Tage um unseren Besuch, kann ich nur sagen, dass ich saufroh bin, dass wir den Trek nicht gemacht haben...
Die restliche Zeit haben wir uns damit vertrieben, den Alpakas und Lamas auf dem Gelaende beim Grasen zuzuschauen und Fotoshootings zu veranstalten, bevor wir dann gegen 5 das Gelaende wieder verlassen haben. Zurueck im Ort haben wir die letzte Stunde vor der Zugabfahrt in einer franzoesischen Boulangerie bei Milchkaffee und Pain au Chocolat verbracht, bevor wir dann in einem wahren Irrgarten aus Souvenierstaenden beinahe den Bahnhof nicht gefunden haetten. Wir haben uns beide trotz dem schlechten Wetter einen unheimichen Sonnenbrand geholt (allerdings auch der erste so schlimme der Reise), so dass wir nach der Rueckfahrt einfach nur zurueck ins Hostel und ins Bett gegangen sind. Es war ein langer Tag!

Am darauffolgenden Morgen schien die Sonne, so dass wir uns entschieden haben, eine Mountainbiketour auszuprobieren. In Ecuador musste Tobias ja alleine gehen und ich wollte es gerne noch ausprobieren, bevor in La Paz die beruehmte Strasse ansteht. Also ging es mit ziemlich schlechten MTBs auf 4300m um von dort zurueck ins Tal auf 2800m zu fahren. Leider regnete es da oben und so verwandelte sich der Singletrail teilweise in ein Baechle und damit in etwas, was ich nicht fahren kann...
Bei der naechsten Gelegenheit wechselte ich mit einer mitfahrenden Peruanerin wieder auf die eigentlich bei der Tour angedachte Passstrasse, waehrend Tobias mit dem Guide weiter den Pfad herunterfuhr. Mir hat das runterfahren Spass gemacht, aber man muss auch sagen, dass es dann mit Mountainbiken auch nicht mehr viel zu tun hatte...
Zurueck im Ort schnappten wir uns unsere grossen Backpacks und suchten uns ein Collectivo (mangels Auto-Alternativen) nach Cusco. Dieses Mal ging die Fahrt 2,5h und war deutlich beengter. Ich schloss Freundschaft mit einem kleinen peruanischen Maedchen, dass mir Geschichten erzaehlte, bevor sie an meinen Arm gelehnt einschlief. In Machu Picchu haben wir von Fremden noch ein paar Seiten aus ihrem Reisefuehrer abfotografiert, so dass wir wenigstens wussten, in welches Hostel wir wollten und wo es in Cusco Buchlaeden gibt... Nach dem Einchecken und einem Kaffee zum Aufwaermen unserer nassen und kalten Fuesse ging es zu einem ersten Stadtrundgang und in einen der Buchlaeden. Dort haben wir tatsaechlich statt dem erhofften Bolivien-Reisefuehrer auf Englisch einen der beiden Gesamt-Suedamerika-Reisefuehrern gefunden, die wir seit Kolumbien ueberall suchen! Und das gebraucht und in der Ausgabe von August 2013, also perfekt! So hatte das verlorene Buch in Machu Picchu doch seinen Sinn...
Am zweiten Tag Cusco organisierten wir als erstes den Bus, in dem ich jetzt sitze, und machten danach einen Stadtrundgang. Cusco ist eine schoene Kolonialstadt,
die hervorragend auf die vielen Touristen eingestellt ist. Jeder Perureisende geht nach Machu Picchu und jeder, der nach Machu Picchu geht, muss durch Cusco. Dementsprechend das Gewusel und die Anbieter verschiedener Touren, aber fuer uns war es auch mal wieder schoen, in einer touristisch gut erschlossenen Stadt zu sein. Abends Auswahl, wo man essen gehen will, tagsueber viele Moeglichkeiten, Sachen zu unternehmen, quasi ueberall auf den Infos Englisch sprechende Leute und ausserdem gescheiten Kaffee. Nach dem Stadtrundgang haben wir uns im "Piscomuseum", das eigentlich nur eine Bar mit wahnsinnig vielen unterschiedlichen Piscos war,
 noch zwei verschiedene Piscos und einen Cocktail gegoennt. Pisco ist das nationalgetraenk Perus, eine Art weicher Grappa. Einer der beiden war aus Muskatellertrauben destilliert und wenn man an dem gerochen hat, hatte man tatsaechlich den gleichen Geruch wie bei einem Muskateller. Anschliessend waren wir nochmal schoen essen in einem relativ noblen Restaurant. Wir wollten noch einmal Cebiche probieren, den rohen Fisch in Limettenmarinade und da unser erster Versuch in Cartagena nicht so von Erfolg gekroent war, haben wir uns dieses Mal das Restaurant empfehlen lassen. Es war dann auch wirklich toll: super Service, leckeres Essen, wir haben uns zwei Hauptgerichte geteilt (Lomo Saltado, Rindfleisch, und Cebiche, den Fisch), das haben sie dann nacheinander gebracht (wie Vorspeise und Hauptgang) und gleich aufgeteilt auf zwei Teller und nett hergerichtet und ueberhaupt. Dessert gab es auch noch, alles in allem ein sehr nobler und schoener Abend.

Heute morgen startete dann um 7Uhr der Bus nach Puno. Auf dem Weg machen wir 6 Stopps an verschiedenen interessanten Stellen (Kirche mit den aeltestens Orgeln Lateinamerikas, Inkastaetten etc), so dass die Fahrt statt 6h nun 10h geht. Durch die vielen Unterbrechungen und Pausen hoffen wir aber, dass die Zeit schnell vergeht. Mal eine andere Art zu reisen.
In Puno machen wir wie gesagt nur einen kurzen Zwischenstopp, weil wir zu spaet ankommen, um noch ueber die bolivianische Grenze zu gehen. Wir hoffen, dass morgen alles klappt und wir einen weiteren huebschen Stempel in unseren Reisefuehrer bekommen.

Wir hoffen ausserdem, dass ihr alle, besonders unsere nordischen Mitlesenden, Xaver gut ueberstanden habt!

3. Dezember 2013

... Peru!!!

26.11. - 01.12.2013 Peru: Lima, Nasca und Arequipa

(ts)
Inzwischen sind wir das Reisen und somit die ganzen Strapazen am Flughafen gewöhnt: Rucksack verpacken und aufgeben, Angaben zum Visum und Gepäck im Flieger ausfüllen. Nett lächeln am Einreiseschalter, Rucksack holen und auspacken, zum Abschluss durch die Gepäckkontrolle gehen... So war dies auch in Lima kein Problem mehr!

Wir hatten uns entschlossen mit dem Taxi direkt zum Busterminal zu fahren und gleich einen Bus nach Nasca zu buchen. Wir hatten beide keine große Lust auf eine Großstadt und wollten lieber raus aufs Land. Auf der Fahrt zum Busterminal war Nicole gleich ganz aufgeregt, als der Taxifahrer anmerkte, dass es vor 24h ein Erdbeben der Stärke 5 unweit von Lima gab. Man merkt ständig auf der Reise, dass sie Erdkunde als LK hatte... Wie Miriam schon meinte: Zopflava hier, Schildvulkan dort, ... :-)

Vor der Busfahrt blieben uns nun noch 2 Stunden um die Stadt zu erkunden.
Also ging es schnell mit dem Taxi zur Altstadt, dort kauften wir einen Reiseführer und probierten gleichen die erste Restaurant-Empfehlung aus. Peru hat scheinbar vielseitigeres Essen als die bisherigen Länder, jedoch gibt es - zum Leid von Nicole - scheinbar in jedem Gericht Kartoffeln. Der erste Eindruck sollte sich späteren noch bestätigen, allerdings gibt es auch ein paar Kartoffelsorten und -zubereitungen, die Nicole schmecken.

Nun ging es also von 15:30 bis 22:30 Uhr mit dem Bus nach Nasca. Wir hatten uns die Landschaft in Peru nicht so vorgestellt, die Berge starteten bereits unweit von der Küste entfernt und es war nicht so grün wie erwartet, um genau zu sein, es war eine einzige Wüste. Aber trotzdem hatte es seine Reize. Wir hatten uns für den Luxusbus entschieden und wollten unterwegs über Internet ein Hostel buchen. Natürlich hatte gerade unser Bus Probleme mit dem Internet und so kamen wir mitten in der Nacht ohne Unterkunft in Nasca an. :-( Nachdem ich extrem genervt (schließlich waren wir seit 5 Uhr morgens unterwegs) alle Touri-Fänger am Busbahnhof angeschnautzt hatte, ging es zum ausgesuchten Hostel. Wir hatten Glück und bekamen gleich ein richtig nettes und günstiges Zimmer.

Wir hatten wohl doch nicht alle Touri-Fänger abgewimmelt: Ab 8 Uhr wartete schon eine Dame am Empfang auf uns und wollte einen Flug über die Nasca-Linien an den Mann bringen. Dabei waren wir unsicher, ob wir überhaupt einen Flug wagen sollten. Wir ließen uns bequatschen und buchten eine Tour, die sogleich starten sollte. Am Flughafen trafen wir Darrel, einen sympathischen Schweizer, der mit uns auf der Stahlratte war. Er hatte den Flug schon hinter sich und ein mulmiges Gefühl im Magen... :-\ Mit dem kleinsten Flugzeug des Flughafens (2 Piloten und wir) ging das Abenteuer nun auch für uns los.

Ganz schon wackelig so eine Kiste, aber wir hatten beide die 45min ohne Übelkeit überstanden und waren mächtig beeindruckt von den Figuren. Jede wurde mit einem Linkskreis und einem Rechtskreis angeflogen, damit man wie in der Achterbahn schön durchgeschüttelt wird. Die Frage, die wir uns stellten war, weshalb "malten" die Menschen vor 2000 Jahren Figuren und Linien in den Sand, die nur vom Himmel aus zu sehen sind???

Abends im Planetarium gab es hierauf ein paar Antworten. Die deutsche Maria Reiche Neumann hatte ihr ganzes Leben damit verbracht, die Linien und Figuren zu erkunden. Sie fand heraus, dass die Linien auf lebensnotwendige Wasserquellen, auf Sternbilder und auf die Position der Sonne bei der Sonnenwende zeigen. Aber trotzdem sind etliche Punkte noch ungeklärt und verleihen dem Ort ein mystisches Flair.

Direkt nach dem Planetarium fuhren wir weiter mit dem Nachtbus nach Arequipa. Arequipa liegt schon mitten in den Anden auf 2350m. Ganz in der Nähe liegen die beiden tiefsten Canyons der Welt, mehr als doppelt so tief wie der Grand Canyon... Nachdem wir in einem netten Hostel eingecheckt hatten, buchten wir gleichen eine dreitägige Wanderung durch den zweittiefsten, den "Colca Canyon". Am Mittag erkundeten wir Arequipa und fanden dabei zum ersten Mal einen richtigen Markt auf dem es alle Lebensmittel frisch und zu Spottpreisen gab.


Tag 1 (10,2km, 3,5h und 1000hm): Morgens um 3 Uhr wurden wir mit dem Shuttle abgeholt und machten uns auf dem Weg zum Canyon. Zuerst ging es zu einem von Touris belebten Aussichtspunkt, an dem man Condore bewundern kann. Wir konnten leider nur einen der Riesenvögel in großer Entfernung sehen. Die Wanderung startete schließlich um 10 Uhr auf 3300m. Am ersten Tag ging es hinunter in den Canyon auf 2300m, dann über eine Brücke und auf der anderen Seite 100m hoch zum ersten Ort in dem auch unser Camp war. Wir wanderten mit einem holländischen Pärchen und Ivan unserem Guide, es war eine richtig nette Gruppe. Ivan war ein klasse Guide: Er ist erst 26, kommt aus dem Dorf am Rande des Canyons und kennt sich daher super aus. Demnächst hat er ein Vorstellungsgespräch auf einem Kreuzfahrtschiff, wir drücken ihm ganz fest die Daumen, dass sein Traum in Erfüllung geht und er so die Welt erkunden kann!!! Vom Camp aus konnte man übrigens die "Wand" sehen, die wir herunter kamen, einen Weg konnte man allerdings nicht erkennen... Im Camp spielten wir mit 6 Holländern und 2 Franzosen dann noch zum Zeitvertreib ein Kartenspiel, bei dem wir viel zu lachen hatten.


Tag 2 (8,1km, 3,5h und 310hm): Am 2. Tag hatten wir nun eine relativ flache Etappe über 2 kleine Dörfer hin zur Oase, unserem 2. Camp mit Pool. Das Poolwasser wird täglich mit frischem Quellwasser aufgefüllt. Wir kamen bereits zum Mittagessen an und konnten so den ganzen Mittag am Pool relaxen. Dabei halfen auch ein paar Bier...


Der Aufstieg für Tag 3

Tag 3 (7,4km, 4h und 1040hm): In der Nacht kam dann die böse Überraschung. Nicole hatte wohl etwas Falsches (wahrscheinlich das komisch schmeckende Alpaca-Fleisch im Abendessen) zu sich genommen und verbrachte ab Mitternacht die meiste Zeit auf der Toilette. Und dies gerade vor der härtesten Etappe bei der wir über 1000m hochlaufen mussten. Als wir um 5 Uhr morgens loslaufen wollten, war Nicole kreidebleich... :-( Zum Glück gab es die Möglichkeit für umgerechnet 15€ auf dem Maultier, die extreme Steigung zu bewältigen. So brauchte ich 3,5 zu Fuß und Nicole 1,5 Stunden auf dem Maultier für den Weg nach oben. ;-) Nicole sollte es aber auch weiterhin nicht besser gehen. :-( So musste ich die Stopps mit dem Shuttle an einer heißen Therme, am höchsten Punkt mit Aussicht (4910m) und bei einer Herde Alpacas alleine genießen.



Insgesamt waren es nun 25,7km in 11h und dabei 1450hm. Die geführte Wanderung war allemal das Geld wert und hatte uns beiden trotz dem letzten Tag sehr gefallen. Besonders beeindruckend waren die komplexen Bewässerungsanlagen, die um die Orte herum für jede Menge Grün sorgten. Auch die Einwohner, die tagein-tagaus die steilen Wege laufen müssen und dabei schöne Trachten tragen, wussten zu gefallen. In dem Bereich, in dem wir wanderten, ist allerdings der "Colca Canyon" eher ein Tal und keine Schlucht. Die richtig tiefe und enge Schlucht kommt erst 20km Flussabwärts.

Zurück in Arequipa ging es Nicole etwas besser und wir konnten den bereits gebuchten Nachtbus nach Cusco nehmen. Inzwischen sind wir bereits einen Ort weiter in Ollantaytambo (2800m) und Nicole geht es wieder viel besser. Sie macht gerade Siesta und ich schreibe, während draußen der Regen unaufhörlichen niederprasselt... In 2 Tagen (04.12.) geht es von hier aus mit dem Zug nach "Machu Picchu". Hoffentlich haben wir dann etwas mehr Glück mit dem Wetter!!!

@ Oliver: Nicole wollte das Schnorcheln genießen und die Zeit nicht mit Knipsen verschwenden, zumal es mit der Unterwassertuete irgendwie suboptimal ist. Daher gibt nur ein paar Unterwasserbilder, die uns Paul aus Australien zu Verfügung gestellt hat, der hatte nämlich eine gute Unterwasserkamera. Es müssten aber eigentlich 5 sein: Schildkröte, Haie, Rochen, ... Und ein paar Videos, die gibts aber erst, wenn wir daheim sind. :-)